Der von US-Präsidenten Donald Trump angeordnete Mauerbau zwischen den USA und Mexiko hat auf der ganzen Welt zu massiven Protesten von Menschenrechtlern geführt. Aber auch Naturschützer befürchten eine Katastrophe.

Gut befestigte Grenzen können Tiere genauso wenig überwinden wie Menschen. Mauern oder Zäune können ganze Populationen voneinander trennen. Das ist gefährlich für Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Ihnen fehlt dann der nötige Genaustausch, und die Chance, auf einen möglichen Sexualpartner zu stoßen, sinkt.

"Das könnte letztendlich ein Aussterben einer kleinen Population zur Folge haben."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Außerdem kann eine Mauer vielen Wildtieren den Zugang zu Wasserquellen und Weidegründen abschneiden, sagt unser Tierexperte Mario Ludwig.

Diese Befürchtungen haben sich zum Teil auch schon bewahrheitet, wie Studien aus den USA zeigen. Denn an der Grenze zwischen den USA und Mexiko gibt es schon eine 1200 Kilometer lange befestigte Grenzanlage.

"Auf der US-amerikanischen Seite leben zum Beispiel nur noch 50 Ozelote. Das sind kleine Raubkatzen. Die Ozelot-Population auf der mexikanischen Seite ist sehr viel größer."
Dr. Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Der Zugang zu diesem für die US-amerikanischen Ozelote wichtigen Genpool ist deutlich schwerer geworden. Ähnliches gilt für die nordamerikanische Jaguarpopulation und für den Mexikanischen Wolf, er ist die gefährdetste Wolfsart überhaupt.

Lebenswichtige Wasserstellen nicht erreichbar

Auch im südlichen Afrika gibt es schon Erfahrungen mit Zäunen. Die sogenannten Veterinärzäune wurden zum Schutz von Rindern errichtet. Sie sollen Herden vor ansteckenden Viehkrankheiten wie etwa der Maul- und Klauenseuche schützen. Die Zäune trennen Rinderherden, die gesund sind, von solchen, die von den Krankheiten befallen sind. So soll verhindert werden, dass sich die Krankheiten ausbreiten.

"Aber für Gnus und andere Wildtiere wurden diese Zäune zum Verhängnis."
Dr. Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Sie hindern die Tiere daran, auf ihren schon seit Jahrhunderten existierenden Wanderrouten zu ihren gewohnten Wasserstellen zu gelangen.

"Im Dürrejahr 1983 kam es dann zu einer ökologischen Katastrophe, als über 60.000 Gnus jämmerlich verdursteten."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Grenzen über Generationen überliefert

Tiere können sich aber an Zaunanlagen gewöhnen. Sie verinnerlichen sie so sehr, dass sie ihr Wissen über Generationen weiter vererben. Das fanden tschechische Forscher 2014 im Nationalpark Böhmerwald heraus. Die Wissenschaftler konnten beobachten, dass Hirsche aus Tschechien bei ihren Wanderungen immer dort stehen blieben, wo zu Zeiten des Eisernen Vorhangs noch gut gesicherte Grenzanlagen standen. Grenzanlagen, die mittlerweile schon seit über 25 Jahren abgebaut sind.

"Die Wissenschaft glaubt, dass die Hirschkühe die vermeintliche Grenze ihren Kitzen beibringen und damit von Generation zu Generation weitergeben."
Mario Ludwig, Deutschlandfunk-Nova-Tierexperte

Warum die Hirsche nicht einmal versuchsweise die nur noch in ihren Köpfen existierende Grenze überschreiten, hat die Wissenschaft noch nicht herausgefunden.