Mütter von Raben haben ein schlechtes Image, dabei gehören sie mit zu den besten Müttern im Tierreich. Andersherum ist es bei Störchen: gutes Image, schlechte Mutter. Eindeutig die „beste Mama der Welt“ ist für Mario Ludwig eine australische Krabbenspinne. Weil am Sonntag Muttertag ist, geht es in diesem Tiergespräch natürlich um: Mütter. 

Die australische Krabbenspinne "Diaea ergandros" ist für unseren Tierexperten Mario Ludwig eindeutig die beste Mutter im Tierreich. Die Weibchen legen im Frühjahr etwa 40 Eier, aus denen im Sommer die Jungtiere schlüpfen. In dieser Zeit fängt die Mutterspinne Insekten, die sie an ihre Jungtiere verfüttert, aber auch selbst frisst, um sich einen gewaltigen Bauch zuzulegen. Wenn es dann im Winter nichts mehr zu fangen gibt, dient die Mutter als lebende Speisekammer für ihre Jungen.

Dieses Verhalten dient der Arterhaltung. Denn nur so wird verhindert, dass die Jungen sich gegenseitig auffressen.

Rabenmütter haben kein Problem mit ihren Kindern

Das schlechte Image der Rabenweibchen basiert auf einer fehlinterpretierten Naturbeobachtung: Rabenkinder verlassen das Nest noch bevor sie fliegen können. Deshalb sitzen sie scheinbar einsam und verlassen unter dem Nest am Boden. Diese Beobachtung führte zu der Annahme, die Rabenjungen seien von ihren Müttern im Stich gelassen oder aus dem aus dem Nest geworfen worden. Aber: Rabenmütter füttern die Jungvögel auch am Boden. Und natürlich schützen sie die Küken vor Feinden, bis sie fliegen können. 

Andersrum ist es mit den Störchenmüttern: gutes Image, schlechte Mutter

Störchenmütter haben ein sehr gutes Image in Nachwuchsfragen, tatsächlich aber hätten sie den Ruf der Rabenmütter verdient. Denn Störchenmütter – insbesondere erstbrütende Störche mit fehlendem Brutinstinkt - werfen ab und zu das schwächste Küken aus dem Nest oder fressen es sogar auf. Diese Verhaltensweise wird als "Kronismus" bezeichnet – nach Kronos, der der Sage nach seine Kinder verschlang. 

Die faulste Mutter: der Kuckuck

Das Kuckucksweibchen, das die Eier in die Nester fremder Vogelarten legt und aufziehen lässt, statt selbst aufzuziehen, ist die faulste Mutter im Tierreich. Allerdings entsteht für den Kuckuck zunehmend ein Problem durch die globale Erderwärmung. Die Wirtsvögel des Kuckucks kehren immer früher aus ihren Überwinterungsgebieten zurück und beginnen auch früher mit der Eiablage. Der  Kuckuck hat sich weniger dem Klimawandel  angepasst und kommt zu spät aus Afrika zurück. Bei den Wirtsvögeln ist dann die Brut schon geschlüpft und er kann seine Eier dort nicht mehr unterbringen. 

Adoptivmütter

Bekannt sind Tiger- oder Löwenbabys in Zoos, die von Hunden angenommen wurden, weil die leibliche Mutter den Nachwuchs nicht annahm.

2002 adoptierte im kenianischen Samburu-Nationalpark eine Löwin immer wieder den Nachwuchs ihrer Beute. Die Kitze der Oryx-Antilope wurden von der Löwin per Kidnapping entführt, um sie aufziehen. Unbekannt ist, warum diese Löwin gegen ihren Jagdtrieb agierte und die Kitze sogar auch gegen andere Löwen verteidigte. Allerdings warf die Adoption durch die Löwin auch massive Probleme für die Antilopen auf. Denn die Antilopenmütter konnten ihren Nachwuchs nur dann säugen, wenn die Löwin selbst auf der Jagd war, so dass Wildhüter die kleinen Antilopen aus der Pflege der Löwin retten mussten. Seit Februar 2003 wurde die Löwin nicht mehr gesichtet.