Das Peace-Zeichen kennen wir alle. Entweder von Fotos aus Instagram, von Postern der Spice Girls - oder vielleicht auch aus dem Geschichtsunterricht. Denn ursprünglich stammen der gespreizte Zeige- und Mittelfinger aus der Zeit des Zweiten Weltkrieges.

Als Winston Churchill 1941 bei einer Rede seinen Finger zu einem V formte, konnte er sich wohl kaum vorstellen, dass seine Geste noch Jahrzehnte lang und in den unterschiedlichsten Kontexten wiederverwendet werden würde.

Damals wollte der britische Premierminister mit dieser Geste die Alliierten gegen Nazi-Deutschland vereinen. Das V-Zeichen sollte signalisieren: Wir werden sie schlagen und wir werden am Ende gewinnen. Immer wieder hat Winston Churchill in dieser Rede "V for Victory" betont.

Der allererste, der sich diese Geste zu eigen machte, war allerdings der Exil-Politiker Victor de Laveleye, der sich schon Anfang 1941 über die BBC an die besetzte belgische Bevölkerung gewandt hatte und von "Victoire" oder wie es im flämischen heißt, "Vrijheid", gesprochen hatte.

Das Zeichen für den Sieg

Für die Bevölkerung waren die Moral-Booster der Politiker von da an die führende und vereinende Geste im Krieg. Die Soldaten malten sie sich auf ihre Uniformen oder auf die Trägerflächen von Flugzeugen, die Bevölkerung pinselte das V an ihre Hauswände, erzählt Deutschlandfunk-Nova-Reporter David Freches.

"Die Soldaten haben das V auf die Uniformen gemalt, auf Stiefel, auf die Trägerflächen von Flugzeugen."
David Freches, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Auch der Morsecode für Victory - dreimal kurz, einmal lang - wurde vermehrt eingesetzt, um das Gefühl auch auf akustischer Ebene zu transportieren. In den Nachrichtensendungen wurde oft der Beginn der fünften Symphonie von Beethoven benutzt, denn diese beginnt mit den gleichen Takten.

Hippiekultur, Segensgeste und Girls-Power

Heute ist das V-Zeichen hauptsächlich als Begrüßungszeichen oder als eine Pose auf Fotos bekannt. Das kommt daher, dass sich vor allem in den 60er-Jahren die Hippie-Kultur das Zeichen angeeignet hatte und es in ein Friedenszeichen umgewandelt hat.

Eine Frau zeigt das Peace-Zeichen
Eine Frau zeigt das Peace-Zeichen
"Das V-Zeichen wurde mit dem Ausruf "Peace" verbunden und so zu einer Begrüßung umgewandelt."
David Freches, Deutschlandfunk-Nova-Reporter

Die Kirche weist zudem darauf hin, dass das V-Zeichen sehr stark den christlichen Segensgestus erinnert. Hier werden allerdings Zeige- und Mittelfinger nicht gespreizt, sondern enger beieinander gehalten. Das Zeichen wird beispielsweise genutzt, um beim Friedensgruß ein Kreuz in die Luft zu malen.

Auch in der Popkultur wurde das V-Zeichen aufgenommen und in ein Zeichen für "Girls-Power" umgewandelt. Vor allem die Spice Girls haben damit in den 90er-Jahren ausdrücken wollen, dass Frauen selbstbestimmt leben wollen.

Entfremdung vom Ursprung

2004 hat das V-Zeichen allerdings noch mal einen faden Beigeschmack bekommen, als der ehemalige Chef der Deutschen Bank, Josef Ackermann, das V nach einer Gerichtsverhandlung in die Kameras hielt, berichtet David Freches. Josef Ackermann war wegen schwerer Untreue angeklagt worden, nachdem das Verfahren gegen eine Millionen-Zahlung eingestellt worden ist.

In der öffentlichen Wahrnehmung wurde die Geste aber nicht als eine Siegesgeste wahrgenommen, sondern als Zeichen für die Arroganz des Geldes. Ackermann selbst hat danach gesagt, er wollte damit nur Michael Jackson imitieren, der zur selben Zeit vor Gericht gestanden hatte und sich wenige Tage davor mit der gleichen Geste vor die Presse gestellt hatte.

Auf die Richtung kommt es an

Übrigens: Ein Peace-Zeichen ist es nur, wenn man die Handinnenflächen nach vorne zeigt. Dreht man die Handaußenflächen nach vorne, kann das Zeichen vor allem im Vereinigten Königreich als "Fuck you" aufgefasst werden. Diese Geste konnte man beispielsweise bei der Fußballeuropameisterschaft bei manchen englischen Fans entdecken.