Smartphone-Apps, die Zugriff auf die Kamera erhalten, können ein Sicherheitsrisiko darstellen. Eifersüchtige Partner installieren manchmal Apps, um den anderen auszuspionieren. Und gelegentlich laden wir solche Apps auch selbst herunter, ohne zu wissen, welche Zugriffsrechte wir damit einräumen. 

Ein britisches Paar wurde vor einiger Zeit heimlich beim Sex im Wohnzimmer gefilmt. Vermutlich von jemandem, der die Kamera ihres Smart-TVs gehackt hatte. Eine unheimliche Vorstellung. Denn wir tragen fast immer eine Kamera bei uns oder haben sie in unserer Nähe liegen: die Kamera unseres Smartphones. Selbst wenn Geräte ausgeschaltet sind, aber Strom oder Akku haben, ist es theoretisch möglich, dass sie gehackt werden und die Kamera unbemerkt eingeschaltet wird. 

"Ich kann ja irgendeine komische App installieren, der ich Zugriff auf die Kamera gewähre. Gib' die Rechte frei und die Kamera darf das dann. Die darf das bislang auch im Hintergrund, ohne dass ich das mitkriege."
Jo Bager, Journalist für IT- und Tech-Themen

Dass wir von Apps ausspioniert werden, die wir selbst heruntergeladen haben, ist der unwahrscheinlichere Falls, sagt Jo Bager, Journalist für Tech- und IT-Themen. Hersteller von Betriebssystemen seien aber daran interessiert, dass solche Apps schnell wieder aus den App-Stores verschwinden, so der Tech-Experte.

Es gibt einen Markt für Späh-Software

Software, die einem dabei hilft, andere auszuspionieren, werde auch für den deutschen Markt angeboten, sagt Jo Bager. Sie werde hauptsächlich für eifersüchtige Partner und Arbeitgeber entwickelt, vermutet der Journalist.  

"Es gibt aber auch den Fall, dass jemand aus meinem Umkreis - ein eifersüchtiger Partner oder ein Arbeitgeber, der mich überwachen will - so etwas installiert. Das ist etwas aufwendiger, der muss dann an mein Handy ran und die Sicherungsmechanismen auf dem Handy aushebeln, die eigentlich so etwas verhindern sollen."
Jo Bager, Journalist für Tech-Themen

Welche Apps greifen auf die Smartphone-Kamera zu

Es ist wichtig, immer mal zu schauen, welche Apps man auf dem Smartphone installiert hat und welche Rechte diese haben, sagt Jo Bager. Wenn wir den Verdacht haben, dass wir ausspioniert werden, sollten wir kontrollieren, ob das Smartphone vor Kurzem neu gerootet wurde. Man kann auch bei Android-basierten Smartphones nachsehen, ob es unter den 'Geräte-Administratoren' Apps gibt, die wir nicht selbst installiert haben. Bei 'Geräte-Administratoren' handelt es sich um Apps, die sehr weitgehende Rechte haben - und somit mit großer Wahrscheinlichkeit auch Zugriff auf die Kamera. Haben nicht wir selbst die App auf das Handy geladen, liegt der Verdacht nahe, dass wir ausspioniert werden könnten. 

"Immer mal gucken: Was hat man eigentlich für Apps installiert und welche Rechte haben die. Das sollte man sowieso grundsätzlich immer mal machen."
Jo Bager, Journalist für IT- und Tech-Themen

Um uns selbst zu schützen, können wir Google Play Protect auf unser Smartphone laden. Diese App kann uns davor schützen, ausgespäht zu werden, empfiehlt Jo Brager. Wir sollten aber immer mal kontrollieren, ob sie angeschaltet ist, denn einige Apps versuchen die Protect-App zu deaktivieren. Apps, die von Google Play Protect als unsicher erkannt wurden, sollten wir von unserem Smartphone löschen. 

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