Die Dating-App Grindr wurde 2018 komplett vom chinesischen Spieleentwickler Kunlun Tech gekauft. Jetzt wollen die USA das Unternehmen zurück. Es gibt Bedenken wegen des Datenschutzes.

Vor drei Jahren hatte sich der chinesische Spieleentwickler Kunlun Tech zunächst mit einem 60-Prozent-Anteil bei Grindr eingekauft. 2018 dann erfolgte die komplette Übernahme. Die Dating-App Grindr funktioniert ähnlich wie Tindr, ist aber vor allem bei bi- und homosexuellen Männern beliebt. Jetzt wollen die US-Behörden dem chinesischen Unternehmen Grindr wieder wegnehmen.

Das hängt eng mit der neuen China-Strategie der USA zusammen. Die sehen in China nicht mehr nur einen ökonomischen Konkurrenten, sondern auch ein Sicherheitsrisiko. Ähnlich wie beim Kampf, den die USA aktuell gegen Huawei führen.

"Aus der Perspektive des US-Ausschusses für ausländische Investitionen (CFIUS) ist die Übernahme durch Kunlun ein 'nationales Sicherheitsrisiko' für die USA."
Andreas Noll, Netzreporter bei Deutschlandfunk Nova

Die App Grindr sammelt, wie viele Apps, sehr persönliche Daten ihrer Nutzer. Dazu zählen unter anderem auch Ergebnisse von HIV-Tests. Aber auch Informationen über Chats oder den Standort laufen bei der App auf. Das alles in den Händen eines chinesischen Investors, bei dem auch der Pekinger Geheimdienst mitlesen könnte - das beunruhigt die US-Behörden dann doch. Weltweit haben sich bei Grindr seit der Gründung vor zehn Jahren gut 27 Millionen Datensätze angesammelt.

Verwunderung über späte Reaktion

Ungewöhnlich ist, dass sich die Behörden erst jetzt melden. Zwar gab es schon im Vorfeld der Übernahme Bedenken, aber die massive Kritik der Behörden ist neu. Es dürfte allerdings schwierig sein, das Unternehmen jetzt zwangsweise von seinen chinesischen Eigentümern wieder zurückzuholen. Zumindest, wenn sich das Unternehmen dagegen sperrt. Angeblich hält man aber in Peking schon Ausschau nach möglichen Käufern. Man will, so scheint es, die App so schnell wie möglich wieder loswerden.

Denn die US-Behörde für ausländische Investitionen hat weitreichende Befugnisse, die sie bei zukünftigen Geschäften zwischen China und den USA zum Einsatz bringen könnte. China wiederum hat kein Interesse daran, den Handelskrieg mit den USA zu verschärfen. Der Druck ist also groß, um trotz eines bereits abgeschlossenen Geschäfts in Sachen Grindr zu handeln.

Kunlun Tech zählt zu den größten Spielentwicklern Chinas und ist gerade mal elf Jahre alt. Für Grindr hat das Unternehmen tief in die Tasche gegriffen. Allein der 60-Prozent-Anteil, den es 2016 erworben hat, kostete 155 Millionen Dollar. Dass die Chinesen so viel Geld in diese App stecken, ist durchaus überraschend. Denn in China gilt Homosexualität als Tabu.

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