Dass der Datenschutz bei Tiktok problematisch ist, ist nichts Neues. Das Medienportal Buzzfeed veröffentlicht Mitschnitte interner Meetings bei Tiktok, die einen Blick in die Blackbox ermöglichen.

Dem Medienportal Buzzfeed wurden offenbar interne Unterlagen zugespielt, darunter auch 80 Mitschnitte von internen Meetings bei Tiktok. "Und aus denen geht hervor, dass es zum einen verschiedene Programme und Tools bei Tiktok gibt, wo niemand so genau weiß, wozu die eigentlich da sind und wohin die Daten von dort abfließen", sagt unsere Netzreporterin Martina Schulte.

Außerdem hatten wohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei Bytedance – dem Mutterkonzern von Tiktok – zwischen September 2021 und Januar 2022 mehrmals Zugriff auf sensible Daten westlicher Userinnen und User. "Das belegen diese Tapes", sagt Martina. Zu diesen sensiblen Daten gehören zum Beispiel nicht-öffentliche Daten wie das Geburtsdatum oder Telefonnummern.

Bedenken gegenüber Tiktok sind nicht neu

Sorgen, dass Chinas Geheimdienst Zugriff auf die Daten westlicher Tiktok-Nutzerinnen und -Nutzer hat, gibt es schon länger. Der ehemalige US-Präsident Donald Trump wollte 2020 Tiktok in den USA sogar verbieten lassen. Eben auf Grund der Befürchtung, die chinesische Regierung könnte über Tiktok Daten von US-Bürgerinnen und -Bürger sammeln.

Denn es geht nicht allein um Geburtsdaten, sondern auch um Informationen über den Standort oder die sexuelle Orientierung von Personal beim Militär oder Geheimdienst.

"Tiktok ist eine Blackbox."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Wie berechtigt diese Bedenken sind, war bislang kaum nachzuweisen. "Was genau bei Tiktok mit den Daten passiert, wissen wir nicht", sagt Martina. Aber die aktuellen Mitschnitte können vielleicht etwas Licht ins Dunkel bringen. Denn jetzt lässt sich eben belegen, dass zumindest einige chinesische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen wohl weitreichende Zugriffsrechte haben, so Martina.

"Mit diesen Mitschnitten kann man zumindest genau belegen, dass einige chinesische Mitarbeiter sehr weitreichende Zugriffsrechte haben."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Tiktok wiederum bemüht sich, diese Vorwürfe zu zerstreuen. So sollen zum Beispiel die Daten US-amerikanischer Nutzerinnen und Nutzer demnächst in Texas gespeichert werden. Dazu hat das Unternehmen im März 2022 einen Deal mit dem US-amerikanischen Datenbankanbieter Oracle geschlossen: Die Firma soll künftig die Daten der US-amerikanischen Userinnen und User hosten.

Tiktok will mit "Project Texas" Ängste zerstreuen

"Und diese Daten sollen dann Tiktok-intern nur noch von amerikanischen Mitarbeitern gemanaged werden", sagt Martina. Das Projekt mit dem Namen "Project Texas" hat Tiktok in einem Blogeintrag beschrieben. Wie es mit den Daten europäischer Nutzerinnen und Nutzer weitergeht, ist bislang unklar, so Martina.

Ob das "Project Texas" wirklich eine Lösung beim Datenschutz bringen kann, ist aber fraglich. Denn laut IT-Expertinnen und -experten ist der physische Speicherort nicht allein relevant. Wichtiger sei die Frage, ob weiterhin von China aus ein Zugriff auf die Daten möglich ist. "Und wenn das der Fall ist, können die Informationen noch immer in den Händen chinesischer Geheimdienste landen", sagt Martina.