Eine neue Methode, ein nicht mehr erwünschtes Date auf Abstand zu halten, hat das NYMagazine ausgemacht: Benching heißt so viel wie: auf die lange Wartebank verschieben.

Man hat sich ein, zwei Mal auf einen Wein oder im Kino getroffen, eine Nacht miteinander verbracht - und plötzlich meldet sich der andere nicht mehr. Dann ist einem spätestens nach zwei bis drei Tagen klar: Shit, ich bin scheinbar geghostet worden. Aber das war gestern. Das NYMag sagt: Benching ist das neue Ghosting.

"Eine Freundin von mir, nennen wir sie Stella, praktiziert Benching schon sehr lange, ich würde sie fast als die Erfinderin des Benchings bezeichnen."
Martina Schulte, DRadio-Wissen-Beziehungsberaterin

Stella hat immer mindestens drei bis vier Online-Dates am Start, die sie eigentlich gar nicht mehr treffen will. Aber die sie sich so richtig schön warmhält. Mit denen sie sich kleine Nachrichten schreibt: "Was geht?!", "Schönes Wetter heute", "Wie findest du mein neues Kleid?". Sie freut sich auch, wenn sie hin und wieder mal eine Nachricht von Frank, Paul oder Dominik bekommt. Und sie hört natürlich auch sehr sehr gerne die Komplimente, die sie ihr machen. Aber wenn es dann darum geht, sich noch mal zu treffen, dann greift sie in ihre Kiste mit Standard-Ausreden:

"Wahnsinnig gerne, ABER…"

  • "...ich habe gerade einen Fahrradplatten."
  • "...ich muss lernen."
  • "...mein Handyakku war leer."
  • "...ich muss meiner kranken Grossmutter Kuchen und Wein bringen."
  • "...ich bin die nächsten 125 Jahre verreist."
"Es gilt leider die Regel: Mach dir nichts vor. Wenn jemand dich bencht, dann steht er einfach nicht auf dich."
Martina Schulte

Stella will ja eigentlich gar keinen der Typen noch mal treffen - aber bis sie was Besseres hat, hält sie sich die eben warm. Und das ist genau das Prinzip, über das sich Jason Chen, der den Benching Artikel im NYMag geschrieben hat, aufregt. Denn seine Online-Dates, die machen genau das mit ihm und das macht ihn wahnsinnig.

Benching in Perfektion

Ein Date hatte seine Benching-Techniken sogar soweit perfektioniert, dass sie nach jedem abgelehnten Date, und um Jason weiter schön auf der Ersatzbank zu halten, spontane Lunch-Dates anbot: in 30 Minuten am anderen Ende der Stadt - wo also klar war, dass Jason da nie mehr rechtzeitig hinkommen würde. Oder sie likete immer wieder alte Instagram Post von ihm und setzte kissy-face und see-no-evil-monkey darunter - laut Jason die in New York universell gültigen Flirt-Emojs.

Seitenwechsel…

Erst als Jason auf der anderen Seite stand und online jemanden kennengelernt hatte, bei dem er nicht sicher war, was er für diese Person empfindet… Erst da verstand er das Prizip des Benching…

"Und Jason machte auf einmal das Gleiche wie seine Ex-Dates. Aber er hasste sich dafür."
Martina Schulte

Das sei ein ätzendes, manipulatives, selbstsüchtiges Benehmen, aber leider auch etwas, das wir alle machen. Das Ganze, schreibt Jason, sei mehr oder weniger ein Machtspiel. Es gehören immer zwei dazu: Einer, der es macht - der Bencher - und einer, der es mit sich machen lässt, weil er den anderen vielleicht hot findet: der Benchee.

Ungleichgewicht: Bencher und Benchee

Wenn beide interessiert sind, wird nicht gebencht. Ausnahme wäre auch noch, wenn sich zwei nicht Interessierte treffen und sich gegenseitig benchen. Das wäre dann das Benching-Paradies.

"Die Ironie ist aber, sagt Jason, dass Benching - nur oberflächlich betrachtet - höflich ist."
Martina Schulte

In Wirklichkeit ist es viel gemeiner als Ghosting oder wenn man, so wie Martina das immer macht, jemandem einfach sagt, was Sache ist. Das ist zwar unangenehm - auch für die Person, die Klartext spricht, denn die möchte ja dem anderen nicht wehtun. Und natürlich wäre die Welt auch schöner, wenn einen alle mögen würden. Aber das geht halt nicht immer.

Und darum geht es, glaubt Martina, auch vielen, die benchen. Sie haben einfach Angst, als Arschloch wahrgenommen zu werden oder sich so zu verhalten, dass der andere sie nicht mehr mag. Das wollen sie um jeden Preis vermeiden. Oder sie brauchen einfach
Aufmerksamkeit um jeden Preis.