Eigentlich sehen die Zahlen ganz gut aus: Rund 64 Millionen Downloads hatte Tinder 2022. Doch die Zahlen stagnieren – und andere Apps laufen Tinder den Rang ab.

Je jünger die Menschen, desto weniger benutzen sie Tinder. Dafür gibt es vor allem zwei Gründe, sagt unsere Netzreporterin Martina Schulte:

  • Tinder gibt es seit knapp über zehn Jahren, das ist für Netzverhältnisse eine Ewigkeit. Groß gemacht hat die App die Generation der Millennials (heute zwischen 26 und 40), die sich jetzt so langsam vom Dating verabschieden und in Richtung Familie orientieren.
  • Offenbar hat die App ein Image-Problem: Von Anfang an stand sie (im Unterschied zu anderen Plattformen) eher für "Hook-Ups“, also unverbindliche Dates in Form von One-Night-Stands und Affären. Der Versuch von Tinder, hier gegenzusteuern und sich von diesem Image zu distanzieren, hat bislang offenbar nur wenig gebracht.

Jüngere Tinder-Alternativen sind zum Beispiel Hinge oder Bumble. Hinge zum Beispiel wirbt mit dem Slogan "Designed to be deleted" und erklärt sich damit indirekt als Plattform für längerfristige Beziehungen. Auch Bumble positioniert sich eher als Anti-Hook-Up-App. Und das spricht die Gen Z offenbar mehr an: Die Downloadzahlen beider Apps sind massiv angestiegen, sagt Martina.

"Hinge legte gerade ein Wachstum von über 300 Prozent hin. Und auch die Zahl der Bumble-Nutzer*innen ist um fast um 100 Prozent angewachsen."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Bei Bumble machen traditionell Frauen den ersten Schritt, erklärt sie. Und wenn sich dort zwei queere Leute matchen, können sie – unabhängig vom Geschlecht – beide den Anfang machen und zuerst schreiben.

Queere Gen Z

Laut mehrerer Studien ist die Gen Z die queerste Generation aller Zeiten. Der Anteil der Personen, die sich als LGBTQI+ bezeichnen, an der Gesamtbevölkerung der USA hat sich innerhalb von zehn Jahren verdoppelt, sagt etwa eine Erhebung aus den USA von Anfang 2022. Das wirkt sich natürlich auch aufs Dating und die bevorzugten Apps aus – queere oder queerfreundliche Datingapps wie GrindR, Hornet, OkCupid oder Romeo wird es freuen.

Was bei der Gen Z auch anders zu sein scheint: Die Bedeutung innerer Werte, politischer und gesellschaftlicher Ansichten, von No-Gos und roten Linien steigt offenbar.

Dating bei Insta?

Und im Datinggeschäft tut sich noch mehr: Laut Medienberichten überlegt auch Instagram, noch dieses Jahr ins Datingbusiness einzusteigen. Vor allem
die 15- bis 26-Jährigen tauschen sich demnach nämlich häufiger über den Instagram-Messenger mit einem möglichen Date aus als über jeden anderen Kanal. Das wäre also ein neues interessantes Geschäftsfeld für Instagram.

Überhaupt laufen heute viele Datingaktionen gar nicht mehr zwingend über spezielle Datingapps, sondern einfach über die Messenger von Tiktok oder Insta. Oder auch über die Accounts sogenannter Matchmaker – das sind klassische Partnervermittler mit Insta- oder Tiktok-Account, die ihre Onlineprofile nutzen, um ihre Follower*innen miteinander zu verkuppeln, erklärt Martina.

Aktienkurs drastisch eingebrochen

Match Group, die Mutterfirma von Tinder und Hinge, hatte im letzten Geschäftsjahr Einnahmen von 3,2 Milliarden Dollar – und das, obwohl der Aktienkurs um satte 62 Prozent eingebrochen ist.

"Man könnte sagen: Auch Börsenanalysten und Anleger sind im Moment der Meinung, dass bei Tinder ein bisschen der Lack ab ist."
Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin

Durch Corona und das Rumhocken zuhause hatten Datingapps einen Höhenflug erlebt. Doch als der Höhepunkt der Pandemie überschritten war, gingen die Downloadzahlen deutlich zurück. Viele Menschen sind jetzt wieder mehr offline unterwegs.

  • Moderation:  Diane Hielscher
  • Gesprächspartnerin:  Martina Schulte, Deutschlandfunk-Nova-Netzreporterin