David Missal wurde aus China ausgewiesen. Vermutlich wegen eines kritischen Uni-Projekts über chinesische Menschenrechtsanwälte. Zurück in Deutschland sagt der Student, das Thema werde ihn nicht loslassen.

Zehn Tage gaben die chinesischen Behörden David Missal, um das Land zu verlassen. Der offizielle Grund, warum der Student aus Osnabrück gehen sollte: "Aktivitäten, die nicht vom Studentenvisum gedeckt sind." 

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Genauere Auskünfte zum Grund seiner Ausweisung habe er nicht bekommen, sagt David: "Ich kann nur raten und denke, dass es mit den Menschenrechtsanwälten zu tun hat." Eingeschrieben war David im Masterstudiengang "Journalismus und Kommunikation" an der renommierten Tsinghua-Universität in Peking. Für eine Hausarbeit hat der 24-Jährige Anwälte interviewt und gefilmt, die Dissidenten und Angehörige von verbotenen Religionsgemeinschaften vertreten. 

Eine Hausarbeit über Menschenrechte in China

"Ich hatte gedacht, dass es in akademischen Institutionen doch ein bisschen mehr Freiheit gibt", erklärt David. So habe er das Thema seiner Hausarbeit, die er mit einem kurzen Dokumentarfilm abschließen wollte, zuvor mit seinem Dozenten abgestimmt. Und auch bei seinen Recherchen habe es anfangs keine Probleme gegeben.

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Ganz konfliktfrei verlief seine Arbeit jedoch nicht. So habe ihm eine Betreuerin mitgeteilt, dass die Institutsleitung "nicht glücklich" über seine Themenwahl sei. Später wurde David bei einem Treffen mit einem Menschenrechtsanwalt für drei Stunden von der Polizei festgehalten, erzählt er. "Ich habe es aber trotzdem gemacht, weil ich denke, dass es ein wichtiges Thema ist, dem man Aufmerksamkeit schenken sollte," sagt er.

"Letztlich habe ich nur eine Hausaufgabe gemacht. Ich hab sie zwar auf Youtube veröffentlicht, diese hatten jedoch nur etwa 100 Leute gesehen."
David Missal wurde aus China ausgewiesen

Rund neun Minuten lang ist sein Abschlussfilm, den er bei Youtube veröffentlichte. Dass seine Arbeit Konsequenzen haben könnte, war David bewusst. Dennoch war er überrascht, wie viel Aufmerksamkeit seine Arbeit offenbar von den Behörden bekommen hat. Er sagt: "Ich habe gegen kein Gesetz verstoßen. Auch gegen kein chinesisches."

"China ist kein Rechtsstaat. Es kann sein, dass man eingesperrt wird, dass man innerhalb von einem Tag das Land verlassen muss. Das ist willkürlich."
David Missal war mit einem Studentenvisum in Peking

Ob er jemals wieder einreisen darf, weiß David nicht. Für ihn könnte das bedeuten, chinesische Freunde nicht wieder zu sehen und seiner Faszination für das Land nur noch aus der Ferne nachzugehen. Dennoch ist David weiter überzeugt von seinem Projekt. So hat er beispielsweise unveröffentlichtes Material und überlegt einen weiteren Film - auch über seine Recherche - zu veröffentlichen. "Ich werde da dranbleiben", sagt er.

In Osnabrück will er nicht lange bleiben. Eines seiner nächsten Ziele könnte Hongkong, Taiwan oder Berlin sein. Und auch für China, ist er sich sicher, wird er irgendwann wieder ein Visum beantragen.