Am 27. Mai 1947 erlässt die Sowjetische Militäradministration in Deutschland einen Befehl, durch den der gesamte sächsische Bergbaubetrieb von der UdSSR übernommen wird. Wenige Tage später wird die Wismut AG gegründet. Wismut ist ein chemisches Element und dient der Sowjetunion als Tarnbezeichnung für eine Firma, die nicht mit Wismut handelt, sondern Uranabbau betreibt.

Uran ist als Abfallprodukt beim Abbau von Silber und Zinn im Erzgebirge schon seit dem 16. Jahrhundert bekannt. Nur hat damals niemand gewusst, was diese schwere schwarze Masse sein könnte, die in den Silber-Kobald-Werken im westlichen Erzgebirge zu Tage gefördert wurde. Das kubisch geformte Kristall heißt "Pechblende" und ist in seiner chemischen Zusammensetzung genau genommen Uranoxid. All das wird im 19. Jahrhundert bekannt, als Marie Curie mit ihrem Mann in den Rückständen der Urangewinnung Strahlungen misst und damit die Radioaktivität entdeckt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs werfen die USA im August 1945 die ersten Atombomben über Hiroshima und Nagasaki ab. Es ist der Beginn des atomaren Wettrüstens zwischen den beiden Supermächten UdSSR und USA.

Uran bietet Potenzial beim Wettrüsten

Als die sowjetischen Besatzer im Erzgebirge auf große Uranvorkommen stoßen, erkennen sie die Möglichkeit, mit diesem Fund ebenfalls eine Atombombe herzustellen. Damit der Westen keinen Verdacht schöpft, wird die Wismut AG gegründet.

Das Unternehmen startet etwas schleppend. Aber dann läuft es. Bereits 1950 fördert die Wismuth AG mehr als 1000 Tonnen Uran. Drei Jahre später ist die Fördermenge so groß, dass mehr als 130.000 Menschen – streng bewacht von Soldaten der Roten Armee – im Uranabbau arbeiten.

Das Erbe: radioaktive Halden, schwere Umweltschäden

Nach der Wende 1989 wird in der Wismut AG der Betrieb eingestellt. Das Erbe ist erschreckend: schwere Umweltschäden, radioaktive Halden, verseuchte Seen und tausende Bergleute, die an Lungenkrebs oder der Quarzstaublunge erkrankt sind. Bei der Sanierung fallen 3350 Tonnen Uran an, die verkauft und zur Finanzierung der Sanierungsmaßnahmen verwendet werden. 2030 sollen die Rückstände der Uranförderung im Erzgebirge endgültig beseitigt sein.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Axel Hiller ist Leiter des Geologischen Archivs der Wismut GmbH und schildert, welche Bedeutung die Wismut AG für die Region im Erzgebirge hatte.
  • Juliane Schütterle hat sich mit der Uranförderung in der DDR und dem Stellenwert innerhalb des Ostblocks beschäftigt.
  • Der Ortschronist von Oberschlemma, Oliver Titzmann, berichtet von verschwundenen Dörfern, die dem Uranabbau weichen mussten.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld berichtet über die Anfänge des Bergbaus im Erzgebirge.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Grit Eggerichs schildert den Alltag der Kumpel zwischen Parteikader und Kollegen.