Die Stasi hatte Spitzel inner- und auch außerhalb der Grenzen der DDR. Vor allem hatte sie dabei tatsächliche oder vermeintliche Gegner der Republik im Visier. Und sie pflegte Kontakte unter anderem zur linksradikalen Szene in der Bundesrepublik. So weit so bekannt. Der Journalist Andreas Förster fand bei Archivrecherchen heraus, dass die Staatssicherheit auch Spitzel in der Neonazi-Szene im Westen hatte. Warum das so war und wie die Überwachung ablief, erzählt Andreas Förster im Hörsaal.

In den 50er und 60er Jahren bekam die neofaschistische Szene in Westdeutschland mehr und mehr Zulauf und radikalisierte sich in den 70er Jahren zunehmend. Rechtsextremismus und Rechtsterrorismus wurden mehr und mehr zum Problem. Und auch im Osten entwickelte sich eine rechte Szene.

Staatsicherheit observierte westdeutsche Neonazis

Das entging auch der Staatssicherheit nicht. Mitte der 70er Jahre, berichtet der Journalist Andreas Förster, gründete sie eine eigene Abteilung allein für Rechtsextremismus in Westdeutschland und heuerte Informanten und sogenannt Einflussagenten an, eben auch im Westen.

"Da wächst etwas heran, was für die DDR vielleicht noch gefährlicher werden könnte als die arabische Terroristenszene und die linksterroristische Szene in der Bundesrepublik."
Andreas Förster, Journalist und Autor

Andreas Förster ist investigativer Journalist und Autor. Seine Schwerpunkte sind unter anderem Geheimdienste und Terrorismus. Bei Archivrecherchen zur Stasi stieß er auf die Akten der Abteilung XXII des Ministeriums für Staatssicherheit – und dabei auch auf Namen namhafter Neonazis. Er wurde neugierig: Welches Interesse verfolgte die Stasi mit der Überwachung der Rechtsextremisten? Hat sie in dem Milieu Einfluss genommen? Und was hat sie herausgefunden?

"Plötzlich wachte man bei der Stasi dann doch auf, weil man die Sorge hatte, dass die populistischen Parolen und einfachen Antworten doch recht gut verfangen in der DDR-Bevölkerung."
Andreas Förster, Journalist und Autor

In seinem Buch "Zielobjekt Rechts - Wie die Stasi die westdeutsche Neonaziszene unterwanderte" fasst Andreas Förster die Ergebnisse seiner Recherchen inklusive vieler Fallbeispiele zusammen und deckt dabei spannende Zusammenhänge etwa zwischen ost- und westdeutschen Geheimdiensten und der rechten Szene auf.

Unter anderem berichtet er davon, wie Informanten gewonnen wurden, wie rechtes Gedankengut von West nach Ost exportiert wurde oder wie polizeilich gesuchte westdeutsche Größen des rechtsradikalen Milieus in der DDR untertauchten. Am 8. Mai 2019 hat er auf Einladung des Einstein Forums in Potsdam darüber gesprochen.