Experten beobachten die aktuelle Zinspolitik der Europäischen Zentralbank mit Sorge: Heute hat sie den Leitzins von 0,25 Prozent auf 0,15 Prozent gesenkt. Obwohl die Zinsen immer weiter sinken, steigen die Preise kaum noch. Europa droht möglicherweise eine Deflation.

Der Zinssatz, zu dem sich Banken bei der EZB mit Geld versorgen können, ist mit 0,25 Prozent aktuell schon sehr niedrig - und wird noch niedriger: Heute hat die EZB den Leitzins noch einmal gesenkt - auf 0,15 Prozent. Europäische Bankhäuser können sich also in Zukunft noch billiger von der EZB Geld leihen, das sie dann in Form von billigen Krediten an Unternehmen und Verbraucher weitergeben könnten.

Drohende Deflation

Das klingt erst einmal gar nicht so schlecht. Das Problem ist nur: Die Zinsen sind schon seit einer ganzen Weile sehr niedrig - trotzdem machen derzeit nur wenige Unternehmen in Europa davon Gebrauch und nehmen Kredite für neue Investitionen auf. Zinssenkungen allein können Unternehmen nicht zu Investitionen zwingen, sagt Andreas Kolbe aus der Deutschlandradio-Wirtschaftsredaktion. Das müsse die Politik machen: Durch Arbeitsmarktreformen, die Unternehmen vor allem in europäischen Krisenländern Anreize bieten, zu wachsen.

Experten wie der Wirtschaftsweise Peter Bofinger warnen bereits vor einer Deflation - also vor sinkenden Preisen. Andreas Kolbe erklärt, warum das einer Volkswirtschaft nicht gut tun würde:

"Deflation bedeutet: Verbraucher und Unternehmen verschieben Anschaffungen in die Zukunft, in der Hoffnung, dass es dann noch billiger wird. Es wird also weniger nachgefragt - und Unternehmen produzieren weniger."
Andreas Kolbe, Wirtschaftsredakteur

Durch die Kaufzurückhaltung der Verbraucher würden Unternehmen in einer Deflation ihre Investitionen also noch weiter zurückfahren, sagt Andreas Kolbe, und hätten irgendwann auch weniger Geld für hohe Löhne - was wiederum den privaten Konsum weiter bremsen würde. Ein Negativkreislauf, sagt Kolbe, aus dem eine Volkswirtschaft nur sehr schwer wieder ausbrechen könne.