Offenbar haben Delfine ein recht aktives Sexualleben und nicht allein, um sich fortzupflanzen. Die Weibchen können anscheinend einen Orgasmus kriegen: Daraufhin deutet ihre Organstruktur, die der weiblichen Klitoris ähnelt.

Dass Delfinweibchen einen Orgasmus kriegen können, dafür spricht zum einen ihr Verhalten. Sie haben nicht nur Sex mit Männchen. "Die Weibchen reiben mit ihren Schnauzen oder Flossen auch die Geschlechtsöffnung anderer Weibchen", sagt Anne Preger, aus den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Die Vermutung liegt nahe, dass sie das tun, um sich gegenseitig zu stimulieren oder zu befriedigen.

Vor allem die Anatomie der Weibchen liefert Hinweise darauf, dass sie einen Orgasmus kriegen können. Bei der Obduktion toter Delfinweibchen wurde eine Organstruktur festgestellt, die der menschlichen Klitoris ähnelt.

Klitoris bei Delphinweibchen

Ein Forschungs-Team aus den USA hat die Geschlechtsorgane von elf natürlich gestorbenen Delfinweibchen der Art "Großer Tümmler" untersucht. Ihre Ergebnisse haben sie im Fachmagazin "Current Biology" veröffentlicht. "Große Tümmler" sind die Tiere, die meist als Flipper bezeichnet werden. Die Delfine im Foto oben wiederum sind Spinnerdelfine.

Das Team konnte zeigen, dass die Klitoris der Delfine der menschlichen in ihrem Aufbau ähnlich ist. Zum Beispiel kann sich das Gewebe bei Stimulierung mit Blut füllen und anschwellen, so Anne Preger. Wie beim Menschen auch. Außerdem befinden sich in der Klitoris bei den weiblichen Delfinen dicke Nervenstränge, die unter der Haut an der Klitoriseichel – also an der Spitze – in ganz vielen Nervenenden auslaufen. Auch das ist wie beim Menschen.

"Die Klitoris der Delfine ist in ihrem Aufbau der menschlichen ziemlich ähnlich."
Anne Preger, Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten

Daraus lässt sich schließen, dass Delfinweibchen sehr sensibel auf Berührungen reagieren. Alles was die Forschungsgruppe an anatomischen Strukturen fand, deutet darauf hin, dass Delfinweibchen wieeger Menschen beim Sex zum Orgasmus kommen, so Anne Pr. "Möglicherweise sogar intensiver."

Zwar ist das bislang nur eine Vermutung, allerdings lässt die Lage der Klitoriseichel darauf schließen. Denn bei Delfinen liegt diese direkt an der Öffnung der Vagina. Und damit an einer Stelle, die das Glied der Delfinmännchen beim Eindringen direkt berührt. Bei der menschlichen Vulva liegt die Klitoriseichel hingegen ein paar Zentimeter entfernt, oberhalb der Vaginaöffnung.

Eher selten: Forschung zu weiblicher sexueller Lust bei Tieren

Solche Forschung zur sexuellen Lust weiblicher Tiere ist eher die Ausnahme, so Anne Preger. "Weibliche Lust ist deutlich schlechter untersucht als männliche. Das gilt nicht nur für Tiere, sondern auch für Menschen."

Das lässt sich beispielsweise an der Darstellung der weiblichen Klitoris und ihrer Funktionsweise in anatomischen Lehrbüchern und Schriften im Vergleich der vergangenen Jahrhunderte zeigen. Die Abbildungen in früheren Jahrhunderten waren sehr viel detailreicher. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ging dann jedoch Detailtiefe und Wissen offenbar verloren. Erst in den 1990er Jahren wurde erstmalig wieder die weibliche Klitoris genau und vollständig anatomisch-wissenschaftlich beschrieben.