Die Taliban drohen bei den Präsidentschaftswahlen in Afghanistan jedem, der zur Wahl geht, mit Gewalt. Trotzdem will die Regierung die Wahlen durchführen lassen.

In Afghanistan stehen am 29. September 2019 die Präsidentschaftswahlen an. Es wird die vierte Präsidentschaftswahl seit dem Sturz der Taliban sein. Als großer Favorit gilt der aktuell amtierende Präsident Aschraf Ghani.

Ein großes Thema bei der Wahl wird die Sicherheit sein. Mittlerweile gibt es überall Anschlagsziele, sagt Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan. Auf Fitnesscenter, Flughäfen, Hochzeitssäle, Supermärkte, vor Krankenhäusern - sogar auf Beerdigungen werden Anschläge verübt. Die Taliban drohen im Prinzip jedem, der sich an den Wahlen beteiligen will.

"Jeder, der sich an den Wahlen beteiligen wird, wird ein Anschlagsziel."
Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan

In einigen von den Taliban beherrschten Regionen wird es zudem gar keine Wahllokale geben, sagt Silke Diettrich. Im Prinzip kann also nur in den Städten und Regionen gewählt werden, die nicht von den Taliban beherrscht werden. Und dort ist zumindest mit Anschlägen zu rechnen.

Versuch, die demokatische Entwicklung zu schwächen

Insgesamt sollen über 5000 Wahllokale geöffnet werden. 9,6 Millionen Wähler sind registriert. Unsicher ist, wie viele davon zur Wahl gehen werden. Trotz der Bedrohungslage will die Regierung in Afghanistan die Wahlen durchführen - auch um zumindest den Anschein zu erwecken, die Kontrolle über das Land zu haben.

Silke Diettrich gibt zu bedenken, dass das Taliban-Regime erst 2001 vertrieben wurde. Seitdem baue sich eine Demokratie in Afghanistan erst langsam auf. Und nachdem die Präsidentschaftswahlen bereits drei Mal verschoben werden mussten, sollen sie jetzt endlich stattfinden. Die Regierung fürchtet sonst um ihre Legitimität.

Die Wahl wird also auch deshalb unter diesen Bedingungen durchgeführt: Um die Entwicklung demokratischer Strukturen nicht zu schwächen.

"Die Taliban lehnen Demokratie einfach ab."
Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan

Das ist wiederum genau das, was die Taliban zum Ziel haben: Wahlen und Demokratie gehören nicht ins Weltbild der Taliban. Dort herrscht die Haltung, dass der Westen ihnen ein System aufzwingt. Die Taliban betrachten sich als von Gott gesandt. Wer von Gott gesandt ist, kann nicht von Weltlichen gewählt werden, erklärt Silke Diettrich das Weltbild der Taliban.