Schon am vergangenen Wochenende rollten pro-russische Autokorsos durch einige Städte in Deutschland. Auch diesen Samstag und Sonntag sind Kundgebungen geplant, auf denen Demonstrant*innen ihre Solidarität mit Putin zeigen wollen. Aber wer macht da mit – und wer steckt dahinter?

Unter anderem in Hannover und Frankfurt wollen Menschen auf die Straße gehen, um ihre Solidarität mit Wladimir Putins Politik zum Ausdruck zu bringen. In Frankfurt findet statt eines Autokorsos ein Fußmarsch statt.

Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben unterschiedliche Motive, weshalb sie zu den Kundgebungen gehen. "Bei dem Berliner Autokorso waren vor allem Spätaussiedler dabei", erklärt Journalistin und Russland-Expertin Gesine Dornblüth.

"In Berlin demonstrierten Menschen mit deutschen Wurzeln für den Krieg, die noch in der ehemaligen Sowjetunion geboren wurden."

"Die sind in der Regel russischsprachig, zumindest die, die noch nicht in Deutschland geboren sind. Waren aber oft noch gar nicht in Russland – und haben dementsprechend ein Russland-Bild aus den Propaganda-Medien."
Gesine Dornblüth, Korrespondentin beim Deutschlandfunk

Die Kundgebungen seien vermutlich nicht zentral aus dem Kreml oder gar von Putin selbst gesteuert. Dornblüth berichtet, dass sich ein russischsprachiger Berliner gemeldet habe, dass er den Autokorso allein geplant habe. Das hält die Russland-Expertin aber auch für wenig glaubwürdig.

Vielmehr erinnern sie diese Autokorsos an frühere Proteste Russischsprachiger in Berlin in Folge einer Falschmeldung. Dabei ging es um die angebliche Vergewaltigung eines russlanddeutschen Mädchens. In der ausführlichen Analyse sei herausgekommen, dass die Proteste aus Strukturen Russland-Deutscher in der AfD organisiert wurden. Und es gab auch Leute mit Verbindungen zu russischen Regierungsstrukturen wie der Botschaft.

Aus Sicht unserer Korrespondentin spricht viel dafür, dass es dieselben Personenstrukturen sind, die auch diese Proteste lenken.

Telegram-Kanal verbreitet Falschinformationen

Gesine Dornblüth erläutert, dass zu der Veranstaltung in Frankfurt über einen Telegram-Kanal eingeladen wurde, der gleichzeitig Desinformationen verbreitet. Unter anderem sei dort zu lesen, dass ukrainische Nationalisten das Krankenhaus in Mariupol selbst angegriffen hätten – und nicht die russische Armee.

Die pro-russischen Aktivitäten könnten ein Grund dafür sein, dass zahlreiche russische Diplomaten ausgewiesen wurden. Russland-Expertin Dornblüth erklärt jedoch, dass die Mehrheit der Spätaussiedler gut integriert sei. Pro-russische Veranstaltungen in Deutschland hätten vor allem im Hinblick auf den 9. Mai, dem Sieg über Hitler-Deutschland durch Russland, Potenzial.

Wladimir Putin stützt sich auf den Sieg von 1945, der ein sowjetischer war. "Putin vereinnahmt diesen Sieg", sagt Dornblüth. Da Autokorsos in der Vergangenheit schon zu Grabstätten sowjetischer Soldaten gingen, bereitet sich die Berliner Polizei auf den Jahrestag vor.