Zusätzliches Licht oder mehr Transportmöglichkeiten am Rollstuhl? Beim Kassenmodell meist Fehlanzeige. Also gilt es, selbst Hand anzulegen. In Open Source-Workshops pimpen Teilnehmer ihre Rollstühle. Unser Reporter hat vorbeigeschaut. 

Beim Thema Rollstuhltuning gibt es noch Einiges zu erfinden. Wichtige Tools wie eine Beleuchtung oder eine Transportmöglichkeit für Einkäufe fehlen normalerweise. Das Problem: Den meisten Rolli-Piloten gehört ihr Rollstuhl nicht - Eigentümer sind die Krankenkassen. Also können sie eben auch nicht so einfach daran herumschrauben. Kurz: Es tut sich wenig bei Innovationen und Hacks und auch passgenaues Zubehör gibt es kaum. 

Das Berliner Projekt "Made for my Wheelchair" will daran mit Open-Source-Workshops etwas ändern. Teilnehmer können bisher fehlende Add-ons, die von und mit Rollifahrern entwickelt wurden, nachbauen. Dank 3-D-Drucker, Lasercutter und Lötkolben sind die Sachen für jedermann selbst bastelbar. Alles, was die Teilnehmer für den Bau eines Produktes brauchen, bekommen sie beim Workshop als Set vom Veranstalter. Außerdem eine Schritt-für-Schritt-Anleitung.

Die Beleuchtung für den Rollstuhl: Open Lights 

Unser Reporter Moritz Metz hat gemeinsam mit einem Dutzend Teilnehmern einen Workshop besucht. Das Ziel an diesem Nachmittag: eine Beleuchtung für Rollstühle bauen. Zwei Ausführungen sind möglich: eine Ringlampe und eine stabförmige Lampe.  Genau wie beim Fahrrad ist es natürlich auch beim Rollstuhl sehr wichtig, eine Beleuchtung zu haben. Teilnehmer Marlon hat sich bisher mit einer Fahrradbeleuchtung geholfen. Seine Konstruktion funktionierte allerdings nur eingeschränkt. 

"Die hält nicht so richtig. Das ist nicht das Wahre. Vor allem auch die Sichtbarkeit."
Marlon über seine Probleme mit der Beleuchtung

Warum Marlon zum Workshop gekommen ist, ist also klar: Er will besser sehen und besser gesehen werden, wenn er im Rollstuhl bei Dunkelheit unterwegs ist. Und am Ende verlässt er die Runde mit seiner neuen, selbst gebauten Beleuchtung.

Großer Bedarf an Verbesserungen

Raul Krauthausen, einer der Mitorganisatoren von "Made for my Wheelchair" und selbst Rollstuhlfahrer, sieht einen sehr großen Bedarf für Verbesserungen. Die aktuelle Situation beschreibt er als "krankenhauslastig". Raul wünscht sich eine Produktpalette, die genau so groß ist, wie bei Mountainbikefahrern. 

"Ich würde mir wünschen, dass es genau so viel Zubehör, Ersatzteile und Tuning-Möglichkeiten gibt, wie bei Mountainbikes."
Raul Krauthausen, Mitorganisator von "Made for my Wheelchair"

Hintergrund

"Made for my Wheelchair" startete im Oktober 2016 auf der Berliner Make Fair. Rollstuhlfahrer, Techniker und Designer haben hier erste Ideen gesammelt. Es folgte eine Test- und Optimierungsphase, das FabLab Berlin stellte Prototypen her. Die Anleitung für die Beleuchtung, über die wir in der Reportage berichtet haben, ist nun zum Nachbau und auf Deutsch hier veröffentlicht. 

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