Fast jeder 10. Mensch auf der Welt hatte schon Depressionen oder Angstzustände. Trotzdem reden wir nicht ganz selbstverständlich über die Krankheit.

Das Gefühl, verschwinden zu wollen oder gar nichts zufühlen kennen viele Menschen, das zeigt der WHO-Bericht: Die Weltgesundheitsorganisation meldet, dass weltweit ungefähr jeder 10. Mensch an Depressionen oder schweren Angstzuständen leidet. 2013 waren 615 Millionen Menschen betroffen.

Raus aus der Schmuddelecke

Lange wurde über Depressionen und psychisch Erkrankungen geschwiegen. Langsam ändert sich das. Unter dem Hashtag #notjustsad teilten viele Menschen ihre Depressionsgeschichte, nachdem die Autorin Jana Seelig bei Twitter über ihre eigenen Depressionen geschrieben hatte. Aktuell hat Schauspielerin Laura Darrall die Twitter-Aktion #ItAffectsMe ins Leben gerufen. Auch Tobi Katze hat in seiner Kolumne dasgegenteilvontraurig auf stern.de über seine Krankheit geschrieben und ein Buch dazu veröffentlicht.

"Ich weiß nicht, ob schon offen genug darüber gesprochen wird."
Tobi Katze, Autor

Tobis Eindruck: Eine psychische Erkrankung gilt nach wie vor als Zeichen von Schwäche. Twitter-Aktionen wie #notjustsad rücken das Thema zwar in den Mittelpunkt, ein echter Diskurs ist aber ausgeblieben. Tobi wünscht sich, dass Depressionen in der Arbeitswelt endlich als Krankheit angesehen und nicht mehr in die "Schmuddelecke" gesteckt werden.

"Depressive gelten immer noch als verrückt, als etwas seltsam, nicht zugänglich und in letzter Konsequenz auch ein bisschen gefährlich."
Tobi Katze, Autor

Tobi Katze weiß aber auch: Wer nicht betroffen ist, kann schwer nachvollziehen, was bei einer Depression passiert. Eine rationale Betrachtung ist nicht möglich. Denn für Depressive sind Probleme überlebensgroß. Er selbst hat lange gebraucht, um zu kapieren, was überhaupt mit ihm los ist, weshalb er stundenlang an die Decke starrt, hoffnunglos ist und zu viel Alkohol trinkt. (In Eine Stunde Talk haben wir ausführlich mit ihm gesprochen).

Susanne Frerichs ist Diplom-Psychologin und arbeitet bei einem Berliner Krisenzentrum. Sie empfiehlt, in jedem Fall einen vertrauten Menschen in sein Gefühlsleben einzuweihen. Das kann ein Freund sein, im nächsten Schritt auch ein Arzt oder eine der vielen Beratungsstellen.

Susanne Frerichs, Diplom-Psychologin
"Wichtig ist, auf sich selber zu gucken. Zu schauen, wo ich das Gefühl habe, gehört zu werden."

Was stimmt mit mir nicht? Bin ich depressiv? Oder habe ich nur eine schlechte Phase? Nicht immer ist es leicht, diese Fragen zu beantworten. Daher ist es wichtig, sich Hilfe zu holen. Je nach Schwere und Dauer kann es sich um eine depressive Verstimmung oder eine anhaltende Depression handeln. Depressionen wirken sich auf den Körper und auf andere Lebensbereiche aus - auf die Arbeit und Beziehungen -, erklärt die Psychologin Susanne Frerichs.

Der WHO-Bericht zeigt auch auf, dass sich die Zahl der Erkrankten zwischen 1990 und 2013 nahezu verdoppelt hat. Depressionen kosten die Weltwirtschaft jedes Jahr bis zu eine Billion US-Dollar. Eine Investition in die Behandlung würde sich letztlich für alle auszahlen, auch das will die WHO-Studie zeigen.

Mehr zu Depressionen im Netz: