Bevor André Shepherd sich 2004 zum Militärdienst meldet, ist er in einer desolaten Lage. Als er seinen Dienst bei der amerikanischen Armee beginnt, weiß er nicht, worauf er sich einlässt. Ein Einsatz im Irak bringt ihn ins Grübeln. Tut er das Richtige?

Kurz vor Abschluss seines Informatik-Studiums ist André Shepherd Pleite. Trotz zahlreicher Nebenjobs - das Geld reicht nicht einmal für eine kleine Wohnung. Ein Jahr lang lebt André im Auto. Wie es weiter gehen soll, weiß der junge Amerikaner nicht. Dann läuft er einem Soldaten-Anwerber in die Arme. Bei Kaffee und Keksen überredet er André zu einer Karriere beim Militär.

Verlockende Verpflichtung

André zögert. Aber am Ende lockt ihn die Aussicht auf eine gute und vor allem kostenlose Ausbildung. Und er müsse sich auch nicht für acht Jahre verpflichten, es gäbe ein neues Programm, verspricht ihm der Rekruter. Da dauere der Dienst nur 15 Monate. Die Sache hat allerdings einen Haken. Danach ist André Shepherd noch sechseinhalb Jahre Reservist - und kann jederzeit eingezogen werden. Das allerdings verschweigt der Soldaten-Anwerber.

Anfang 2004 - zehn Monate nachdem die US-Armee den Irak angegriffen hat - beginnt GI Shepherd seinen Militärdienst. Er wird zum Mechaniker für den Apache-Hubschrauber ausgebildet. Im Herbst 2004 wird André Shepherd in den Irak geschickt. Dort kümmert er sich um die Wartung der Hubschraber, macht sie einsatzbereit zum Kampf.

"This is a ferocious weapon, but at the time I was there I thought that this helicopters were only used against Americas enemies. I did not think that they were used against civilians, farm trucks, cargo – things like this!"
André Shephard, desertierter U.S.-Soldat

Er sieht, wie ständig die Waffen nachgeladen werden. Aber wo schlagen die Bomben ein? Weil die Piloten nicht über ihre Einsätze sprechen dürfen, fängt André an über den Irakkrieg zu recherchieren. Er sucht Kontakt zu Irakern und lässt sich ihre Sicht der Dinge erzählen. Was er hört und findet, schürt seine Zweifel. Ist das, was er hier tut, richtig? Kann und will er das verantworten?

Asylgesuch in Deutschland

André Shepherd geht noch ein Mal für einen Einsatz in den Irak. Danach ist sich der Soldat, er ist inzwischen in Bayern stationiert, sicher. Die Antwort auf seine Fragen lautet: Nein. 2007 verlässt er die Armee - endgültig. Er taucht unter, bei Freunden in Deutschland. Denn als Deserteur würde er in den USA hart bestraft werden. Irgendwann hat er keine Lust mehr auf ein Versteckspiel und beantragt politisches Asyl. Ein Präzedenzfall, der bis heute den europäischen Gerichtshof in Straßburg beschäftigt.

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