Gerhard Jaworek ist seit der Geburt blind und kümmert sich um blinde Studierende der Universität. Sein Hobby ist die Astronomie. Obwohl er nie einen Stern gesehen hat, liest er alles, was er über die Astronomie finden kann. Planetenbahnen und Gravitationswellen – die eh nicht sichtbar sind – hört er sich als Soundschnipsel an.

Dass ein Astronom blind ist, erscheint uns erst einmal ungewöhnlich. Wie fragen uns vielleicht, wie man das All erforschen kann, ohne durch ein Teleskop die Sterne betrachten zu können.

Gerhard Jaworek mit einem Planetenmodell in seiner Hand.
© Deutschlandfunk Nova | Karl Urban
Gerhard Jaworek hat Modelle der Planeten Merkur, Venus, Mars und der Erdmond – mit Gebirgen, Kratern und Meeresebenen – mit dem 3D-Drucker gedruckt.

Nur vier Prozent des Alls sind sichtbar

Dabei besteht das Universums tatsächlich nur zu vier Prozent aus sichtbarer Materie. Der Rest ist unsichtbar. Was die Radioteleskope oder der Ultraviolett-Detektor des Hubble-Teleskops einfangen, muss auch für Sehende aufbereitet werden. Manches, was unsichtbar ist, lässt sich aber in Töne übersetzen. Das gilt auch für Gravitationswellen. Sie sind erst vor Kurzem nachgewiesen worden. Dafür haben drei US-Forscher 2017 den Physik-Nobelpreis erhalten.

"Gerade Gravitationswellen sind ja etwas, was man nicht sehen kann. Es st nichts Elektromagnetisches, wie man es eigentlich in der Astronomie gewöhnt ist. Das Zittern der Raumzeit, das ist schon eher wie Hören."
Gerhard Jaworek, Informatiker und Hobbyastronom
Grafische Darstellung von Planeten.
© ESA | dpa
Wissenschaftler sind auf der Suche nach exoplanetaren Systemen.

Wenn sind beispielsweise zwei Neutronensterne in einer Todesspirale befinden und sich tausendfach pro Sekunde umeinander drehen, um dann zusammenzustoßen, wirbelt die Graviationswelle die Raumzeit durcheinander. Dieser Effekt reicht bis zu uns auf der Erde und kann hier aufgezeichnet und hörbar gemacht werden.

Auch die Planetenbahnen können in Sounds umgerechnet werden. Wenn ihr den Beitrag im Audioplayer weiter oben anhört, wisst ihr wie die elliptische Bahn des Planeten Merkur im Vergleich zur fast nicht elliptischen Bahn der Venus klingt.

"Ich habe alle gleich groß gedruckt, damit man die auch vergleichen kann."
Gerhard Jaworek, Informatiker und Hobbyastronom

Obwohl Gerhard Jaworek blind ist, weiß er genau, wie die Oberflächen der Planeten aussehen. Mit dem 3D-Drucker hat er sich Modell verschiedener Himmelskörper ausgedruckt. Alle in der gleichen Größe und mit den Gebirgen, Kratern und Meeresebenen, damit er sie gut miteinander vergleichen kann.