Es ist ein Computerspiel, das gerade sämtliche Rekorde bricht: Das kostenlose Multiplayerspiel Fortnite geht um die Welt wie ein Virus. Jetzt haben es sogar Pädagogen für sich entdeckt. 

Schon die Zahlen, die Fortnite produziert, sind beeindruckend: 125 Millionen Spieler haben sich für das Spiel registriert  – so viele Einwohner hat zum Beispiel das Land Mexiko. Von diesen 125 Millionen zockt ein Drittel aktiv jeden Monat. Warum der Fortnite-Hype gerade so viele Spieler infiziert, damit hat sich Deutschlandfunk-Nova-Game-Expertin Jana Reinhardt beschäftigt. 

"Fortnite: Battle Royal"

Wer von Fortnite spricht, meint fast immer "Fortnite: Battle Royal". Das ist ein Spielmodus, in dem ihr mit 99 anderen Spielerinnen auf einer Insel landet und euch alle gegenseitig abballert, bis am Ende eine Siegerin übrig bleibt. 

Am Anfang ist jede Spielerin mit nichts anderem als einer Spitzhacke bewaffnet. Als erstes geht es darum, nach der Landung Waffen zu suchen. Und damit sich die Spieler auf dieser riesigen Insel wiedertreffen, zieht ein gefährlicher lilafarbener Sturm einen immer enger werdenden Kreis. Das Auge des Sturms – in dessen Umkreis sich die Spieler aufhalten müssen. 

Erfolg dank Battle-Royal-Modus

Das liest sich wie die Handlung eines anderen Spiels, das derzeit auch ziemlich oft gespielt wird -  "PlayerUnknown’s Battlegrounds", kurz PUBG, über das wir bei Deutschlandfunk Nova auch schon berichtet haben. Weil das Spielprinzip von PUBG so gut ankam, hat Fortnite den Battle Royal-Modus vergangenes Jahr auch in sein eigenes Spiel integriert. Und darum hat der PUBG-Entwickler BlueHole auch die Fortnite-Entwickler Epic Games  verklagt. 

Gründe, warum Fortnite so erfolgreich ist: Fortnite ist kostenlos und läuft auf allen Plattformen: Den Shooter könnt ihr auf allen drei großen Konsolen, dem PC und sogar mit dem Handy spielen. 

Bunte Comic-Grafik

Sehr cool ist die bunte Comic-Grafik, das macht das Spiel für eine jüngere und auch weibliche Zielgruppe attraktiv. Denn in Fortnite wird nicht Krieg gespielt. Wer getroffen wird, sieht nur, wie die Projektion seiner Spielfigur abbricht. Das entschärft die aggressive Spannung, die bei vielen Military-Shootern herrscht.  

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Kommunikation mit anderen Spielern ist auf ein Minimum reduziert. Beispielsweise könnt ihr den "Take-the-L"-Loser-Tanz, den auch der französische Fußballer Antoine Griezmann beim WM-Finale auf dem Platz aufgeführt hat, "tanzen", um den Gegner zu demütigen. Neben den Tänzen geht es bei Fortnite aber auch um bunte bescheuerte Kostüme, übergroße Waffen und alberne Situationen, die spannend und witzig sind. 

Fortnite für sozial benachteiligte Kinder

Und mittlerweile wird das Game sogar für die Jugendarbeit eingesetzt. So hat die Stiftung Digitale Spielekultur einen Lehrer für Fortnite auf Facebook gesucht. "Kultur macht stark" heißt das Projekt und soll sozial benachteiligte Kinder fördern – auch mithilfe von Fortnite, erklärt Niels Boehnke von der Stiftung Digitale Spielekultur.

"Fortnite ist angesagt. Wir haben zusammen mit einem Medienpädagogen gedacht, wir nutzen diese Leidenschaft und versuchen, noch etwas Pädagogisches hineinzubringen, um bei den Jugendlichen die sozialen Fähigkeiten zu verbessern."
Niels Boehnke, Stiftung Digitale Spielekultur

Team-, Fairplay und soziale Kompetenzen verbessern, dass funktioniert beim Konkurrenten "Battle Royal" nicht, wo sich jede selbst die nächste ist. Die Pädagogen setzen darauf, mithilfe von Fortnite etwas gegen das selbstsüchtige, Ich-konzentrierte Verhalten zu tun, das kompetitive Spiele oft mit sich bringen. 

"Bei einem Misserfolg wird es mit Sicherheit jemanden geben, der toxisch wird. Und darauf muss man reagieren und den Jugendlichen beibringen: Toxisch sein ist nicht konstruktiv. Das hilft dem Team nicht, hilft mir selbst nicht."
Niels Boehnke, Stiftung Digitale Spielekultur

Mit Niederlagen umgehen, dass muss wirklich jede Spielerin lernen, die sich an Fortnite versucht, sagt Jana. Denn auch, wenn das Spielprinzip einfach zu verstehen ist: Laufen, Schießen, Bauen – bis ihr die richtigen Skills entwickelt habt, um wirklich am Ende von 100 Spielern übrig zu bleiben, ist es ein langer Weg. Und auch Jana gibt zu: Sie stirbt öfter, als dass sie das Spiel für sich entscheidet. Aber dafür kann sie sehr viele Taktiken ausprobieren. 

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