Nach einer Seebestattung haben Angehörige keinen konkreten Ort, zu dem sie gehen können, um an den Verstorbenen zu denken oder ihm nahe zu sein. Ein kleiner Strand an der Ostsee ist daher zu einem Ort der Trauerkultur geworden. Und das soll nun verboten werden. 

Es gibt Menschen, die werden nicht auf Friedhöfen bestattet, sondern auf dem Meer. Bei der Seebestattung in Deutschland fahren die Angehörigen raus auf die Nordsee oder die Ostsee, irgendwann schaltet der Kapitän den Schiffsmotor aus und dann wird die Urne „gewässert“ – also dem Meer übergeben. So ist es auch unweit des Leuchtturmes von Bülk, am Ende der Kieler Förde, ein paar Kilometer weit draußen in der Ostsee.

Blumen, eine Kerze und ein Engel am Strand von Bülk
© Deutschlandfunknova | Johannes Kulms
Blumen und Kerzen unterhalb des Leuchtturms von Bülk.

Der Leuchtturm von Bülk und sein Steinstrand sind dem Ort der Seebestattungen sehr nahe. Deshalb kommen Angehörige hierher, um ihrer Verstorbenen zu gedenken, die auf See bestattet wurden. Sie legen Blumen und Kränze auf den Strand, zünden Kerzen an oder erinnern mit Plaketten an die Verstorbenen - in die meisten sind die Namen und die Geburts- und Todestage der auf See Bestatteten eingraviert.

Gedenkschild am Strand von Bülk
© Deutschlandfunknova | Johannes Kulms
Diese Art des Gedenkens soll künftig so nicht mehr erlaubt sein.

Doch damit soll nun Schluss sein. Denn der Leuchtturm und der Strand sind auch ein beliebtes Ausflugsziel für Spaziergänger, Jogger und Radfahrer. 

Seit einigen Wochen hängt am Uferweg ein Schild mit dem Hinweis: "Bitte keine Gedenkmarken anbringen! Diese werden kostenpflichtig entfernt." Holger Klink, Bürgermeister der Gemeinde Strande, hat die Schilder anbringen lassen.

"Hier, wo eben auch Sport betrieben wird, wo Freude ist, wo Tourismus ist, ist es sehr schwierig, wenn jemand zwei Meter weiter tot unglücklich ist und Kränze niederlegt."
Holger Klink, Bürgermeister der Gemeinde Strande
Hinweisschild am Strand von Bülk
© Deutschlandfunknova | Johannes Kulms
Der Bürgermeister hat dieses Schild aufstellen lassen.

1.700 Einwohner zählt die Gemeinde Strande vor den Toren Kiels. Bisher habe man die Plaketten geduldet, sagt Holger Klink. Doch in den letzten Monaten hätten die Beschwerden per Mail, Brief oder Telefon zugenommen.

"Man möchte gerne für sich einen Raum schaffen, wo man sagt: Hier möchte ich gedenken. Das ist aber schwierig, wenn wir das in einem öffentlichen Raum machen."
Holger Klink, Bürgermeister der Gemeinde Strande

Alternative: eine Stehle für die Verstorbenen

In der Gemeinde Strande wird schon länger über eine Alternative diskutiert. Bürgermeister Holger Klink greift diese Idee nun wieder auf: An einer Stehle, einige Hundert Meter weiter, könnte die Gemeinde eine Gedenkstätte einrichten, Gespräche darüber würden geführt. Doch es wird wohl noch mehrere Monate dauern, bis eine Entscheidung fällt. Ob das "wilde" Gedenken unterhalb des Leuchtturms nun zurückgeht, bleibt offen. Derzeit hängt ein knappes Dutzend Plaketten an dem Holzgeländer. Eine geringe Zahl, verglichen mit den rund 1.000 Seebestattungen, die jedes Jahr in der Gegend stattfinden.

Die beiden Spaziergänger Helga und Hans Schröder haben für die Bitte der Gemeinde nur wenig Verständnis. 

"Also mich stört das nicht. Ich habe mich gewundert, dass man da extra wieder ein Verbot hinhaben muss."
Spaziergänger Hans Schröder fühlt sich nicht gestört

Hans Schröders Vater wurde ebenfalls auf See bestattet. Wenn er ihm nahe sein möchte, fährt er mit seinem Boot raus. Die Weite des Meeres ist für ihn der beste Gedenkort. Ähnlich sehen das viele andere Angehörige, erzählt Kapitän Norman Ludwig. Mit seiner "Nordica" bietet er Seebestattungen an. Ein paar Mal im Jahr fährt er raus zu Gedenkfahrten - das sind Touren, bei denen Angehörige nochmals zu jener Stelle fahren können, an der die Urne dem Wasser übergeben wurde. Ob die Angehörigen nun an Land oder auf See trauern, ist eine persönliche Sache. Denn jeder gehe anders mit dem Thema um, sagt der Kapitän.