Lange Zeit waren Forscher davon ausgegangen, dass der menschliche Organismus seit 9000 Jahren mit Alkohol zurecht kommt. Jetzt ist aber klar: schon unsere Vorfahren vor zehn Millionen Jahren konnten Alkohol abbauen.

Damals war es noch eine Mutation. Möglicherweise aber eine mit entscheidenden Vorteilen. Denn Forscher gehen davon aus, dass unsere Vorfahren vor zehn Millionen Jahren aufgehört haben, ausschließlich auf Bäumen zu leben und frisches Obst zu essen, dafür aber angefangen haben, viel am Boden zu sein, wo auch Früchte herumlagen. Allerdings Früchte, die zum Teil schon etwas älter und gegoren waren.

​Entscheidend ist das Enzym Alkoholdehydrogenase

Wer den Alkohol in den Früchten vertrug, überlebte. Deshalb hat sich die Eigenschaft in der Evolution durchgesetzt. Was unsere Vorfahren dazu brauchten, ist das Enzym Alkoholdehydrogenase, das wir heute noch haben.

"Wie viel Alkoholdehydrogenase man im Körper hat, entscheidet, wie trinkfest man ist."
DRadio-Wissen-Reporter Michael Böddeker über die Alkoholverträglichkeit unserer Vorfahren

Bisher war man davon ausgegangen, dass der Mensch seit 9000 Jahren Alkohol vertragen kann. Dass das Enzym aber schon beim letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch, Gorilla und Schimpanse vor zehn Millionen Jahren vorkam, ist eine Sensation. Herausgefunden haben es die Forscher, indem sie sich die Bausteine des Enzyms bei Primaten heute angeschaut haben und den Computer mit Stammbaumdaten gefüttert haben. So ließ sich errechnen, wie sich die Proteine unserer Vorfahren wahrscheinlich aufgebaut haben.

​"Theoretisch hätten sich die Primaten damals schon betrinken können. Es ist aber unwahrscheinlich, dass sie es schon gemacht haben."
DRadio-Wissen-Reporter Michael Böddeker über die Alkoholverträglichkeit unserer Vorfahren

Heutzutage gibt es ja einige Videos von Tieren, wie Affen, die betrunken sind. Allerdings selten in freier Wildbahn. Dafür müssten sie schon ne ganze Menge gegorener Früchte essen.