Ob ähnliche Kultur, Werte oder Hobbys: Viele von uns daten in ihrer eigenen Blase. Aber wieso eigentlich? Und was macht es mit uns, wenn wir auf jemanden treffen, der nicht unseren Vorstellungen entspricht und andere Werte hat?

"Gegensätze ziehen sich an" versus "Gleich und gleich gesellt sich gern": Ja was denn nun? Viele von uns kennen das Dilemma. Wir verknallen uns in jemanden und stellen schon nach kurzer Zeit fest, dass der andere völlig anders tickt. Gleichzeitig fällt es uns aber schwer, außerhalb des gewohnten Umfelds nach einem Partner zu suchen.

Dating-Hürden aus Sicht von zwei muslimischen Feministinnen

Mit welchen Hürden Feministinnen beim Dating konfrontiert sind, verraten uns die Podcasterinnen Refiye Ellek und Soraya Öztekin im Gespräch. In ihrem Podcast "Chai Society" sprechen die beiden Frauen regelmäßig über das was, sie und andere Muslima im Alltag bewegt.

Die meisten Männer ihrer Community seien laut den beiden seit Kindertagen daran gewöhnt, dass Frauen alles im Haushalt erledigen. Sobald Frauen ihre Meinung äußersten, fühlten sich manche Männer dann vor den Kopf gestoßen. Selbst Sorayas eigener Mann sei von der toxischen Männlichkeit nicht vollkommen ausgeschlossen, sagt sie.

"Er ist wahnsinnig feministisch aber er hat auch eine Allergie gegen das Wort."
Soraya Öztekin, Podcasterin

Soraya schätzt einen Partner, der sie unterstützt. "Wenn man einander Freiheiten lässt, ohne einander egal zu sein." Refiye sieht das ähnlich. Sie möchte sowohl über Haare und Nägel als auch über Rassismustheorien sprechen und denken dürfen. Sie stört vor allem, dass einige Männer den Wert einer Frau auf ihr idealisiertes Bild herunterbrechen.

"Ich hab keine Lust mit jemandem meine Zeit zu verschwenden, der nur möchte, dass ich hübsch daneben sitze und nichts mache."
Refiye Ellek, Podcasterin

Dates eher mit Menschen des gleichen Umfelds

Paarberater Hegmann weiß, dass sich Menschen aus denselben Milieus tendenziell eher daten als Menschen, die unterschiedliche Hintergründe haben. Denn bei einem vertrauten Partner fühlen wir uns zunächst sicher und wohl.

"Menschen, die uns ähnlich erscheinen, sind uns sympathisch. Das liegt daran, dass wir zunächst Geborgenheit und Sicherheit in Beziehungen suchen."
Eric Hegmann, Paarberater

Sechs Monate dauert die Verliebtheitsphase. Während dieser Zeit sind wir vollgepumpt mit Hormonen und übersehen die Unterschiede zwischen uns. Erst danach fallen uns meistens die negativen Eigenschaften des anderen auf. Hier entscheidet sich dann oft, wer zusammen bleibt und wer nicht. Gleichzeitig seien Unterschiede und Gemeinsamkeiten keine Entweder-oder-Frage. Wichtig sind vor allem Toleranz und Respekt vor der Andersartigkeit des anderen.

"Das Wichtigste ist, dass man als Paar Unterschiede als Ergänzungen erlebt."
Eric Hegmann, Paarberater

Gemeinsame Wertvorstellungen sind dennoch wichtig, sagt Hegmann. Dazu zählt etwa ein Konsens über Fürsorge und Hilfsbereitschaft. Am Ende sind es aber Emotionen, die für uns mehr zählen als jede Argumentation. "Dann können die Unterschiede noch so groß sein." Außerdem müssen wir Verständnis dafür entwickeln, dass nicht alle unsere Konflikte lösbar sind.


DLF-Nova Straßenbefragung zum "Date außerhalb der Bubble"

  • "Über ein Date wird es dann wohl nicht hinaus gehen. Man sollte schon Gemeinsamkeiten haben."
  • " Das kommt bei mir ganz auf die Bubble an. Je nachdem, in welches Extrem es geht. Ob ich das inspirierend finde oder ob ich damit gar nichts anfangen kann. "
  • "Wenn es ins Politische geht, würde ich das verneinen. Aber wenn es jemand ist, der krass kocht und ich koche gar nicht, dann wäre es vielleicht nicht schlecht, mal wieder ein gutes Essen zu kochen."
  • "Ich bin da ziemlich offen. Aber es gibt auch ein paar Tabus. Jemand der ziemlich rechts ist oder rassistisch ist, wäre ein totales No-Go."
  • "Das Wichtigste ist, dass man miteinander sprechen kann. Wenn die Person menschenverachtend ist, oder gar kein Interesse daran hat, meine Punkten zu respektieren, dann hört es da auf."
  • "Gegensätze ziehen sich an oder aus. Ich finde es spannend, wenn Leute anders sind und anders ticken, als man selber und man viel davon lernen kann. Ob das aber langfristig klappt, weiß ich nicht."