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Bald ist Bundestagswahl und damit startet auch wieder der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Der soll informieren, was die Parteien eigentlich wollen. An dem Online-Tool gibt es immer wieder Kritik. Auch diesmal. Wir klären, wie die Thesen entwickelt werden.

Heute (2. September) geht der Wahl-O-Mat für die Bundestagswahl online. Das Online-Tool der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) gibt es seit 2002. Laut bpb.de wurde es insgesamt im Vorfeld von Wahlen über 85 Millionen Mal genutzt.

Dass der Wahl-O-Mat die Parteipräferenz stark verzerre, weist Pamela Brandt von der bpb zurück. Seit 2004 gibt es eine freiwillige Umfrage ergänzend zum Online-Tool. Die Ergebnisse seien klar und immer wieder identisch, so Pamela Brandt. "94 Prozent der Befragten sagen, dass sie nach dem Wahl-O-Mat-Ergebnis bei dem Ergebnis rauskommen, was sie sich vorher schon ungefähr gedacht haben."

Wahl-O-Mat: Wie funktioniert die Auswahl der Themen und Thesen?

Die Arbeit hinter dem Wahl-O-Mat zur Bundestagswahl ging vor sechs Monaten los, so Pamela Brandt. Auf Grundlage der verschiedenen Parteiprogramme werden zunächst Themen bestimmt. Dann wird entschieden, welche Themen auf Bundesebene relevant sind. Ebenso sollen es unterschiedliche Anliegen sein. Entscheidend ist auch, so Pamela Brandt: "Welche Themen sind es, die die Parteien voneinander unterscheiden?"

In einem großen Workshop mit insgesamt 35 Personen wurden dann innerhalb von vier Tagen auf Grundlage der Themenauswahl Thesen erarbeitet. Das sei ein komplizierter Prozess: "Es ist ein bisschen, wie ein germanistisches Seminar, wo um jedes einzelne Wort gefeilscht wird", sagt Pamela Brandt.

"Es wird um jede These im Wahl-O-Mat gefeilscht."
Pamela Brandt, Bundeszentrale für politische Bildung

Die Thesen sollen nicht so formuliert werden, dass sie die Userinnen und User zu einer bestimmten Antwort bewegen. Die Thesen sollen einfach und klar sein. Aber: "Ohne jede Art von Möglichkeit, jemanden zu einer Antwort zu bringen, zu manipulieren", sagt Pamela Brandt.

"Es wird genau geguckt: Wie formuliere ich die These, damit sie möglichst überparteilich, klar und einfach gehalten ist."
Pamela Brandt, Bundeszentrale für politische Bildung

Zu diesen 35 Personen gehören 15 Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Bildung sowie Journalismus. Die anderen 20 Personen sind Jungwählerinnen und -wähler zwischen 18 und 26 Jahren. Denn vorab können sich Interessierte bei der bpb bewerben. Für die Bundestagswahl meldeten sich rund 400 Personen, so Pamela Brandt. "Wir wollten eine diverse Mischung haben, die haben wir auch bekommen." Die Personen kommen aus verschiedenen Bundesländern. Vom Land und aus der Stadt. Auch die unterschiedliche soziale Herkunft war wichtig.

Wahl-O-Mat: Den Parteien werden rund 80 Thesen vorgelegt

Am Ende des Workshops standen 80 Thesen, die an die Parteien geschickt wurden. Von diesen 80 wurden schließlich 38 von der Redaktion der bpb ausgewählt. "Da versuchen wir die zu nehmen, die am besten zwischen den Parteien unterscheiden. Und die einfach auch gut formuliert sind", sagt Pamela Brandt.

Eine ganz andere Frage ist natürlich, was die Parteien später – nach der Wahl – dann umsetzen. Aber das ist ein ganz anderer Kritikpunkt.