Umweltminister, Jäger, Naturschützer: Wenn es um den Wolf geht, wollen alle mitreden. Verena von Keitz hat mit uns die Optionen geprüft - von Abschuss bis Flucht.

Wölfe sorgen seit Monaten für aufgeregte Diskussionen, weil sich Naturschützer, Jäger und Bauern darüber streiten, wie man mit der steigenden Zahl von Wölfen umgehen soll - und mit der Tatsache, dass sie immer wieder auch Schafe, Rinder oder Ziegen reißen.

Die Umweltministerkonferenz fordert von der Bundesregierung eine bundesweit einheitliche Regelung, was man mit sogenannten Problemwölfen tun soll. Außerdem wünschen sich die Minister, dass Berlin definiert, was überhaupt ein Problemwolf ist.

Bundesamt für Naturschutz ausgebremst

Dabei betonte die Konferenz, dass die Weidehaltung von Rindern und Schafen eine große Bedeutung in Deutschland hat - und das ist auch ein Statement, weil strittig ist, welches Tier vorrangig geschützt werden soll: der Wolf oder das Weidetier.

Jetzt müssen sich Fachleute zusammensetzen und festlegen, wann ein Wolf ein Problem ist und abgeschossen werden muss, oder welche anderen Maßnahmen getroffen werden. Eine Option ist es, den Wolf zu vertreiben, das nennt sich Vergrämung. Interessant ist, dass das Bundesamt für Naturschutz schon aktuelle Zahlen zur Entwicklung der Wölfe in Deutschland und Handlungsanweisungen veröffentlichen wollte.

Kritik kam vom Umwelt- und Landwirtschaftsminister Till Backhaus aus Mecklenburg Vorpommern. Auch der Deutsche Jagdverband kritisierte das Bundesamt. Es zeichne eine Bauernhofidylle , in der Wolf und Mensch engstem Raum friedlich nebeneinander leben könnten - ein steigendes Risiko von Übergriffen sei programmiert.

Abschuss schützt nicht vor Angriffen

Danach sagte das Bundesamt die Pressekonferenz ab. Und das wiederum brachte die Naturschutzverbände WWF und den NABU auf den Plan, die zur Sachlichkeit mahnten. Die Verbände fordern, dass man sich endlich um effiziente Herdenschutzmaßnahmen in Deutschland kümmert. Den Wolf ins Jagdrecht aufzunehmen und einzelne Exemplare abzuschießen, schütze die Nutztiere nicht vor Wolfsangriffen.

Die Autoren vom Bundesamt, das Papier ist nur in Auszügen öffentlich, haben festgestellt, dass nur eine geringe Zahl von Wölfe mit auffälligem Verhalten dokumentiert ist. Ein Wolf, der in der Dunkelheit durch Siedlungen läuft, oder auch tagsüber in Sichtweite von Häusern vorbeistreift, stellt kein Problem dar, wenn er nicht ständig in der Nähe rumlungert. Und der Abschuss von so genannten Problemwölfen wird als letztes Mittel geschildert.

Wie gefährlich der Wolf wirklich für Menschen ist, das lässt sich nicht eindeutig sagen: Es gibt sehr wenige Zusammenstöße zwischen Menschen und Wölfen. Die meisten Begegnungen verlaufen unproblematisch. Der Mensch steht nicht auf dem Speiseplan des Wolfes. Trotzdem ist er ein wildes Tier. Also ist es einfach gut, auf Distanz zu bleiben. Das empfiehlt auch der Biologe Andreas Kinser von der Deutschen Wildtierstiftung, wenn man mal einem Wolf begegnet.

"Der Wolf ist erstmal pauschal nicht gefährlich für uns Menschen. Die Gefahr, dass er angreift ist extrem gering."
Andreas Kinser, Biologe