Wer schon immer davon geträumt hat, im Cockpit eines ICE zu sitzen, hat jetzt gut Chance: Die Deutschen Bahn sucht 2000 Auszubildende als Lokführerinnen und –führer. Aber es bewerben sich zu wenige. Deshalb bietet die Bahn Schulungen für Quereinsteiger an.

Klingt attraktiv: Ein 700 Tonnen Gefährt beherrschen, das 14.000 PS unter der Haube hat und in der Spitze mehr als 300 Kilometer pro Stunde fährt – das ist der Job einer Lokführerin. Allerdings gibt es nur 5 Prozent Frauen in dem Job. Insgesamt sind 18.000 Lokführer auf den Schienen.

Zu wenige Bewerberinnen

Weil Zugfahren im Rahmen der Verkehrswende immer wichtiger wird und gleichzeitig in den kommenden Jahren immer mehr Lokführer in Rente gehen, hat die Bahn einen großen Nachwuchsbedarf. 2000 Auszubildende werden dieses Jahr gesucht. Aber auf 100 offene Stellen bewerben sich nur 25 Interessenten.

Krisensicherer Job: Lokführerin

Ursache für das mangelnde Interesse und die große Personallücke ist unter anderem die frühere Prognose der Bahn, dass in Zukunft Züge führerlos unterwegs seien. Karl-Peter Naumann ist Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn und kritisiert diese Fehlentwicklung, weil Lokführer trotz Automatisierung gebraucht werden. Sie übernehmen in Zukunft eher Kontrollaufgaben und spielen eine wichtige Rolle bei Störfällen.

"Alles fährt autonom. Das ist großer Quatsch! Da rechnen eigentlich alle Fachleute damit, dass zwar mehr automatisiert wird und der Lokführer eine mehr überwachende Funktion hat und auch bei Störfällen eingreifen können muss."
Karl-Peter Naumann, Ehrenvorsitzender des Fahrgastverbandes Pro Bahn

Wer sich heute für den Job entscheidet, muss demnach keine Angst haben, bald arbeitslos zu werden. Wenn derjenige bereit ist, sich mit den Arbeitsbedingungen zu arrangieren. Die sind eher weniger sozialverträglich und daran wird sich in Zukunft auch nicht so viel verändern: kurzfristige Dienstpläne, Wochenenddienste, Nachtarbeit, Einspringen für kranke Kollegen. Freizeit planen und Familienaufgaben koordinieren wird da ziemlich kompliziert bis unmöglich.

Wilfried Otten von der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG sieht in den Arbeitsbedingungen auch eine große Hemmschwelle, um sich auf den Job zu bewerben.

"Die Arbeitsbedingungen, die sind sehr unverlässlich. Ich kann meine Freizeit nicht mehr so planen, wie ich das gerne hätte. Man erfährt, wenn man Pech hat, jede Woche neu, welche Dienste man in der nächsten Woche hat und wie man seine Freizeit drumherum planen kann."
Wilfried Otten, Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft EVG

Neben dieser extremen Flexibilität, die der Job fordert, ist er außerdem ziemlich anspruchsvoll. Die Recruiterin bei der Deutschen Bahn, Annamaria Dahlmann, erklärt, dass die Bewerberinnen auch bestimmte körperliche und psychomentale Anforderungen erfüllen müssen.

"Die Anforderungen an den Beruf sind hoch. Wir arbeiten da im Sicherheitsrelevanten Bereich. Das heißt, man muss bestimmte körperliche und psychomentale Anforderungen erfüllen."
Annamaria Dahlmann, Recruiterin bei der Deutschen Bahn

Ob an die Quereinsteiger ebenso hohe Anforderungen gestellt werden? Jedenfalls will die Bahn in diesem Jahr 2000 Menschen einstellen. Deshalb greift sie auch auf Quereinsteiger zurück. Interessierte können sich umschulen lassen und nach einem sechs bis 18 Monate langen Training ins Cockpit einsteigen.