Fahren wir an die deutschen Küsten, freuen sich viele von uns auf fangfrischen Fisch aus dem Meer vor der Nase. Doch die Realität sieht anderes aus: Der Fisch an den Theken und Buden kommt häufig nicht gar nicht aus Deutschland. Warum ist das so?

Johannes Kulms ist für uns in Kiel unterwegs. Gerne gegessen werden hier vor allem Fischbrötchen mit Hering oder Matjes oder Lachsbrötchen, sagt er. Auch Backfischbrötchen mit Dorsch werden oft gekauft. Nur, fangfrischen Fisch zu bekommen, direkt aus der Region, das ist ziemlich schwierig, so Kulms: "Ich habe bei zwei Supermärkten nachgefragt und die sagen, sie haben derzeit keinen frischen Fisch aus der Region."

"Und selbst bei der vielleicht größten Fischtheke der Stadt, die ist ungefähr 15 Meter lang, da gibt es keine Tiere zu kaufen, die hier von Küstenfischern gefangen wurden."
​Johannes Kulms, DRadio Wissen

Das gilt auch für ein 100 Jahre altes Fischgeschäft in der Stadt. Regionaler Fisch: Fehlanzeige.

Nachfrage und Angebot sind vorhanden

Das hat zum einen mit den Wünschen der Kunden zu tun, die nach Fischen fragen, die sie woanders im Urlaub gegessen haben - in Asien zum Beispiel. Die Händler sagen aber auch, dass die Nachfrage nach regionalem Fisch durchaus vorhanden ist. Und auch das Angebot ist vorhanden. "Das ist ein Paradox", sagt Johannes:

"Die Fischer fangen auch weiterhin Fisch, zum Beispiel Dorsch, Hering und Plattfische. Das Problem ist, die Fischer und die Händler kommen nicht zusammen."
​Johannes Kulms, DRadio Wissen

Und das liegt an den Vertriebswegen. Der Seefischmarkt am Ostufer in Kiel ist ein Großmarkt für den Fischverkauf. Früher, als es hier noch eine Vielzahl an Händlern gab, hat es hier gebrummt, sagt Kulms. Heute arbeiten hier nur noch zwei Großhändler und die bekommen ihren Fisch vor allem auf den Auktionen in Dänemark. In Deutschland gibt es solche Versteigerungen nicht mehr.

"Der Geschäftsführer eines Großhändlers sagt, gerade mal 10 bis 15 Prozent seines Sortimentes kriegt er von Fischern aus der Region."
​Johannes Kulms, DRadio Wissen

Die Kunden erwarten eine regelmäßige hohe Qualität, sagt der Großhändler Dirk Schrader. Die regionalen Fischer können das in den entsprechenden Mengen nicht zuverlässig garantieren. Sie haben sehr kleine Kutter und keine großen Netze und bei schlechtem Wetter müssen sie im Hafen bleiben. Für die Großhändler ist das natürlich ein Problem. Wer es trotzdem fangfrisch und aus der Region haben will, für den gibt es aber eine Lösung:

Ganz oldschool wie früher, einfach selber direkt zu den Fischern fahren."
​Johannes Kulms, DRadio Wissen

Wer Fisch vom Kutter will, der muss sich bewegen: "Am Kieler Hafen sieht man zwar U-Boote und Kriegsschiffe, aber man sieht keine Kieler Fischer, da muss man vor die Tore der Stadt fahren zu den kleinen Häfen", so Johannes.

Fischkutter
© Johannes Kulms
Wer fangfrischen Fisch direkt aus der Region haben will, der kauft am besten direkt vom Kutter

Für die Fischer, die hier vom Kutter verkaufen, ist das eine Alternative zum Weiterverkauf in die Niederlande, der sich finanziell lohnt. Um frischen Fisch aus der Region auf die Spur zu kommen, dem sei auch das Portal frischvomkutter.de empfohlen. "Da kann ich ganz einfach sehen, wann und wo kommt der nächste Fisch an", sagt Johannes.