Vor 40 Jahren entführte die RAF den Arbeitergeber-Präsidenten Hanns Martin Schleyer. Bis heute sind Fragen offen. Warum fanden die Ermittler Schleyer nicht, obwohl sie so viele Hinweise hatten?

Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer war auf dem Heimweg in seine Kölner Wohnung, als sein Wagen am 5. September 1977 kurz vor der Ankunft von einem Terrorkommando der "Roten Armee Fraktion" (RAF) gestoppt wurde. Die Täter eröffneten sofort das Feuer. Schleyer wurde von den Terroristen aus dem Wagen gezerrt und entführt.

Unmittelbar nach der Tat begannen umfangreiche, aber ebenso dilettantische wie erfolglose Suchaktionen.

Die Terroristen wollten ihre Gesinnungsgenossen - unter ihnen Andreas Baader und Gudrun Ensslin, die in Stuttgart-Stammheim vor Gericht standen - freipressen. Im Gegensatz zu früheren Entführungen war die Bundesregierung nicht verhandlungsbereit. Es begann eine zermürbende Zeit, in der ein Krisenstab die Regierungsgeschäfte übernahm.

"Was mir besondere Sorgen bereitet: Damals ging es - in Anführungszeichen - nur gegen Repräsentanten des sogenannten Systems. Heute richtet sich diese Form der Gewalt gegen ganze Bevölkerungsgruppen, Flüchtlinge etwa, gegen politische Gegner."
Hanns-Eberhard Schleyer, Sohn von Hanns Martin Schleyer

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen, entführte ein der RAF nahestehendes palästinensisches Terrorkommando die Lufthansa-Maschine "Landshut". Als diese Maschine von Angehörigen der GSG 9 auf dem Flughafen der somalischen Metropole Mogadischu gestürmt wurde und die Entführer überwältigt werden konnten, war die Entführung von Hanns Martin Schleyer auf dramatische Weise beendet: In Stuttgart Stammheim nahmen sich in den frühen Morgenstunden des 18. Oktober 1977 Andreas Baader, Gudrun Ensslin und Jan-Carl Raspe das Leben.

Einen Tag später wurde die Leiche Hanns Martin Schleyers im Kofferraum eines Autos im elsässischen Mühlhausen gefunden.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Hanns-Eberhard Schleyer hat als ältester Sohn die Ereignisse 1977 miterlebt und schildert seine Erinnerungen.
  • Der Journalist Stefan Aust hat sich Jahrzehnte lang mit dem RAF-Komplex beschäftigt, er beschreibt die erfolglose Suche nach Hanns Martin Schleyer.
  • Klaus Pflieger war viele Jahre Generalstaatsanwalt von Baden-Württemberg und gehörte einer Untersuchungskommission an, die die Umstände der Selbstmorde im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim aufklären sollte.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld über den Deutschen Herbst 1977.