Der Sprecher der DDR-Führung, Günter Schabowski, verkündet im DDR-Fernsehen die Reisefreiheit, die "sofort, unverzüglich" gelte. Für die Mensch ist das unglaublich, viele strömen zur Berliner Mauer und den Grenzübergängen. Gegen Mitternacht des 9. Novembers 1989 geben die DDR-Grenzpolizisten dem Druck der Massen nach. Die Grenze zwischen Ost und West wird geöffnet.

"Wahnsinn" ist das Wort dieser Nacht, nachdem die DDR-Führung durch ihren Sprecher Günter Schabowski die Öffnung aller Grenzübergänge zwischen den beiden deutschen Staaten verkündet hat. Ungläubige DDR-Bürger und Bürgerinnen versammeln sich an der innerdeutsche Grenze und fordern lautstark, den Worten nun Taten folgen zu lassen. Die DDR-Grenzpolizisten erhalten keine Befehle und sind mit der Situation überfordert. Gegen Mitternacht des 9. Novembers 1989 entschließen sie sich, die Grenze zu öffnen.

Wildfremde Menschen liegen sich in den Armen

Tausende DDR-Bürger strömen in den Westteil der Stadt. Wildfremde Menschen liegen sich weinend in den Armen, eine endlose Trabant-Kolonne schlängelt sich über den Kurfürstendamm. Die meisten Trabant-Fahrerinnen und Mitfahrer wollen "nur mal gucken" und am nächsten Morgen wieder in der DDR ihrer Arbeit nachgehen.

Die Tragweite der Ereignisse dieser Nacht kann niemand überblicken: Nach 329 Tage vereinigen sich die beiden deutschen Staaten und beseitigen damit einen Konflikt, der Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs immer wieder beschäftigt hat.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Moderator Markus Dichmann unterhält sich mit seinem Vater, der vor der Maueröffnung einen Ausreiseantrag gestellt und mit seiner Familie die DDR verlassen hatte.
  • Uli Schueppel arbeitete 1989 bei einem privaten Berliner Radiosender und verbreitete zwei Wochen vor der Öffnung der Berliner Mauer die Nachricht, dass die Mauer geöffnet worden sei. Die Reaktionen waren ähnlich wie 1938, als Orson Wells am Vorabend von Halloween das Hörspiel "Krieg der Welten" ausstrahlte.
  • Jan Carpentier beschreibt die "Wendezeit", die er als Ost-Berliner Journalist beim Jugendsender Elf99 erlebt hat.
  • Der Historiker Klaus-Dietmar Henke hat sich mit der deutsch-deutschen Geschichte befasst und schildert die Gründe, die zum Ende der DDR und zur Öffnung der Mauer führten.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld erinnert sich an die Nacht des 9. Novembers 1989, die er in den Redaktionsräumen des Westdeutschen Rundfunks verbracht hat.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporter Benedikt Schulz berichtet über die Maueröffnung und schildert den erst langsamen und dann immer schneller voranschreitenden Zerfall der DDR.