Deutschlands Badelandschaft

Wetter schön, Freibad zu

Das Wetter ist wieder auf dem Weg Richtung gut. Einige Bundesländer haben schon Sommerferien, und auch die Vorlesungen neigen sich dem Ende zu. Die Badesachen sollten also dauerhaft gepackt in der Ecke stehen. Blöd nur, dass viele Freibäder zumachen.

In den vergangenen Jahren gab es in Deutschland ein schleichendes Bädersterben, sagt die Deutsche Bäderallianz, ein Zusammenschluss von Initiativen wie dem deutschen Sportlehrerverband und dem Bundesinstitut für Sportwissenschaft.

Pro Jahr machen 80 Bäder dicht

In den vergangenen 17 Jahren haben durchschnittlich 80 Bäder pro Jahr in Deutschland dicht gemacht, alleine im vergangenen Jahr waren es 160. Und die rund 6500 Bäder, die es noch gibt, sind laut Bäderallianz in keinem guten Zustand.

Der Renovierungsstau beläuft sich wohl auf mindestens 4,5 Milliarden Euro - jedem zehnten der noch vorhandenen Bäder droht demnach die Schließung. Die Kommunen müssen Geld sparen und nehmen dabei zu schnell ihre öffentlichen Bäder in den Blick, lautet die Kritik der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) und der Bäderallianz. Vor allem dann, wenn die Bäder marode sind und eine teure Sanierung ansteht, sei das häufig der Fall.

Rettungsschwimmer und Bademeister fehlen

Diese Rechnung der Kommunen hat einen simplen Grund, sagt Martin Schütz von Deutschlandfunk Nova: Ein Schwimmbad ist eine freiwillige Aufgabe, zu der keine Kommune verpflichtet ist.

"Schwimmbäder sind freiwillige - und teure - Zückerchen für den Bürger."
Martin Schütz, Deutschlandfunk Nova

Ein weiteres Problem ist der Fachkräftemangel. Laut DLRG fehlen – bei insgesamt 20.000 Stellen – mehr als 2500 Rettungsschwimmer.

An manchen Unis wird jetzt ganz bewusst Studenten der Job des Rettungsschwimmers oder Bademeisters angeboten. Das spüren auch die Schwimmbadbetreiber, sagt Achim Wiese von der DLRG – und müssen ihre Öffnungszeiten anpassen.

"Wenn Bademeister oder Rettungsschwimmer fehlen, führt das bei einzelnen Freibädern zu unterschiedlichen Öffnungszeiten."
Achim Wiese, DLRG

Noch ist es nicht so dramatisch, dass Bäder komplett schließen müssen, weil keiner mehr am Beckenrand aufpasst. Aber auch das ist ein klarer Trend – und der hat Gründe: Seit den Bachelor- und Masterstudiengängen haben Studierende nicht mehr so viel Zeit, um nebenbei zu arbeiten. 

Es gibt auch einige private Initiativen, die die Bäder wieder öffnen oder weiterbetreiben möchten. Allerdings bringt aber auch diese Notlösung kürzere Öffnungszeiten mit sich. 

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