Die Stromversorgung in Deutschland soll irgendwann ohne Kohle funktionieren. Wie und ab wann genau - damit beschäftigt sich ab heute die neue Kohle-Kommission.

Unser Land ist bei der Stromerzeugung zur Zeit noch sehr abhängig von der Kohle: Wenn man Steinkohle und Braunkohle zusammenrechne, sind das etwa 50 Prozent, sagt ARD-Energieexperte Jürgen Döschner.

"Die Hälfte des Stroms wird in Deutschland im Moment noch aus Kohle erzeugt."
Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

Das Ende der Steinkohle steht aber ohnehin schon vor der Tür: Die letzten Zechen werden Ende 2018 geschlossen – die Steinkohle wird anschließend dann zu fast 100 Prozent importiert.

Der ehemalige Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel hat mal gesagt: Ab 2030 sollte man darüber nachdenken, wie man aus der Kohle aussteigen kann. Der amtierende Wirtschaftsminister Peter Altmaier will jetzt bereits damit beginnen.

Die Situation in zwölf Jahren

Ob das klappen kann, soll die neu geschaffene Kohle-Kommission sondieren. Sie besteht aus 31 Experten, darunter Wissenschaftler, Umweltschützer, Politiker sowie Vertreter aus Gewerkschaften, Arbeitgeber- und Industrieverbänden.

Erst wolle er über die Arbeitsplätze in der Branche und den Strukturwandel sprechen, sagte Altmaier am Samstag dem rbb. Danach erst gehe es um die Frage, in welchen Regionen Deutschlands Kraftwerke und Tagebaugebiete stillgelegt werden. Der Strukturwandel solle so verlaufen, dass am Ende mehr und nicht weniger Arbeitsplätze in der Region vorhanden seien – dafür stehe er persönlich ein, betonte der CDU-Politiker.

"Strukturwandel bedeutet: Ersatzarbeitsplätze auch für die zukünftigen Generationen schaffen."
Jürgen Döschner, ARD-Energieexperte

Bei der Braunkohle sei die Rede von etwa 20.000 Arbeitsplätzen, wenn man Kraftwerke und Tagebaugebiete zusammennehme, sagt Döschner. Das sei in etwa die Dimension, die damals bei Schlecker verloren gegangen sei, als der Betrieb schließen musste.

Arbeitsplatzverlust bei Kohleausstieg "überschaubar"

Wenn man die gesamtvolkswirtschaftlichen Daten anschaue, sei dieser Arbeitsplatzverlust also "überschaubar", so der Energieexperte. Sich darüber zu einigen, dürfte nicht das große Problem für die Kommission sein, glaubt er.

Trotzdem sei das Schaffen neuer Arbeitsplätze insbesondere in den ostdeutschen Tagebau-Gebieten nicht ganz so einfach. In Nordrhein-Westfalen gebe es dagegen mehrere andere Industriezweige, auf die Arbeiter ausweichen könnten: etwa im Bereich der erneuerbaren Energien.

Wenn die Sonne nicht scheint…

Schwerer zu lösen als der Ersatz der Arbeitsplätze ist für Döschner aber der Ersatz des Kohlestroms an sich. "Es kommt darauf an, dass wir so viel Strom haben, dass immer geliefert wird, auch wenn der Wind nicht weht und die Sonne nicht scheint", sagt er.

Bis Ende des Jahres will die Kohle-Kommission einen entsprechenden Zeitplan vorlegen, wie Deutschland bis 2030 aus der Braunkohleförderung und -verstromung aussteigen kann. Die Positionen liegen weit auseinander. Klimaschützer und Wissenschaftler sagen, der Kohleausstieg müsse deutlich früher als erst in zwölf Jahren über die Bühne gehen.

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