Dexamethason ist ein Kortisonpräparat, das die Sterblichkeitsrate bei schweren Covid-19-Krankheitsverläufen messbar senkt. Der WHO-Generaldirektor spricht von einem Durchbruch.

Der Wirkstoff Dexamethason wirkt entzündungshemmend und dämpfend auf das Immunsystem. Es ist ein Kortisonpräparat, das sich in vielen Medikamenten befindet, die in unterschiedlichen Bereichen angewendet werden. Ekzeme auf der Haut werden damit behandelt, aber auch Asthma, Arthritis und Ödeme, die nach Hirntumoren auftreten. Auch in manchen Augentropfen ist das Mittel enthalten.

Das Medikament ist schon so lange auf dem Markt, dass sein Patent bereits abgelaufen ist. Weitere Pluspunkte: Es ist gut erprobt und kann günstig hergestellt werden.

"It is good news, but most of all it is good news for the thousands of lives, that dexamethasone has the potential to save."
Matt Hancock, Britischer Gesundheitsminister

In einer noch nicht abgeschlossenen Studie der Oxford University wurde der Wirkstoff an Patienten getestet, die an Covid-19 erkrankt waren. Bei leichten Krankheitsverläufen erwies sich das Medikament nicht als wirksam. Bei Patienten, die an Beatmungsgeräten angeschlossen waren, sank die Sterblichkeitsrate von 40 Prozent auf 28 Prozent.

Der Wirkstoff verringert die Immunreaktion

Dexamethason geht im Körper nicht gegen das neuartige Coronavirus vor. Die Viren können sich im Prinzip weiter ungestört vermehren.

Schwere Krankheitsverläufe mit Covid-19 hängen oft damit zusammen, dass der Körper eine zu starke Immunreaktion zeigt und auch gegen körpereigene Zellen vorgeht. Dementsprechend sterben Covid-19-Erkrankte oft nicht an direkten Folgen, die das Virus auslöst, sondern an der extremen Immunreaktion des eigenen Körpers.

In solch einem Fall kann der Entzündungshemmer Dexamethason helfen: Er dämpft die Immunabwehr und schwächt dadurch wahrscheinlich die Intensität des Krankheitsverlaufs etwas ab. Das wiederum führt dazu, dass nicht so viele Intensivpatienten an ihrer Erkrankung sterben.

Großbritannien hat Dexamethason-Vorräte angelegt

Der britische Gesundheitsminister geht davon aus, das tausende Menschenleben mit dem günstigen Kortisonpräparat gerettet werden könnten. Die britische Regierung plant den Wirkstoff standardmäßig bei Schwererkrankten einzusetzen. Seit März legt die Regierung in Großbritannien Vorräte für Dexamethason an. Dabei ist die Studie der Oxford University noch nicht einmal abgeschlossen.

Es ist noch nicht abschließend erforscht, was alles passieren kann, wenn unsere Immunabwehr von einem Wirkstoff (während einer Virus-Infektion) gedämpft wird. Denn das könnte möglicherweise auch dazu führen, dass wir uns zu solch einem Zeitraum leichter mit anderen Erregern infizieren könnten, sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Sophie Stigler.

"Kortison ist eigentlich ein Klassiker – aber anscheinend ist speziell Dexamethason ein Mittel, das überraschend gut bei Covid-19 wirkt, sagen Fachleute."
Sophie Stigler, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Eine mögliche Strategie, die von Forschenden in Betracht gezogen wird: Den Patienten am Anfang der Covid-19-Erkrankung das Ebola-Präparat Remdesivir verschreiben. Denn es konnte nachgewiesen werden, dass dieses Medikament den Krankheitsverlauf verkürzt. Dexamethason könnte dann später verabreicht werden - erst dann, wenn die Patienten so stark erkranken, dass sie beatmet werden müssen.