Visual Snow ist eine seltene Krankheit. Verglichen wird sie mit dem Rauschen auf einem kaputten TV-Bildschirm oder Tinnitus auf den Augen. Die Störung beeinträchtigt dauerhaft das Sehen - ein Zustand der Erkrankte stresst.

Magdalena ist 20 Jahre alt und leidet an Visual Snow. Von einem Tag auf den anderen hatte sie das Symptom mit 14 Jahren. Plötzlich sah sie die Welt wie durch ein Gestöber aus Schneeflocken hindurch. Einige Tage lang hoffte sie, dass die Beeinträchtigung von selbst wieder weggehen würde.

Als das nicht passierte, bekam sie Panik und ging zu ein paar Ärzten, die ihr aber alle nicht weiterhelfen konnten. Auch unter Medizinern ist dieses seltene Krankheitsphänomen noch recht unbekannt.

"Also ich sehe ganz viele kleine Punkte, die überall in meinem Sichtfeld rumwuseln. Und die stark pulsieren. Und es hört halt nie auf."
Magdalena, Visual-Snow-Patientin seit 2010

Die Krankheit verunsichert Magdalena

Magdalena sucht nach der Ursache für ihre Sehstörung. Sie findet Internetforen, in denen andere Menschen die gleichen Symptome beschreiben. Das gibt das Gefühl, sich nicht alles nur einzubilden und sie fühlt sich nicht mehr so alleine mit ihrer Krankheit, die kaum jemand nachvollziehen kann.

Sie ist nicht nur verunsichert, das permanente Flackern und Pulsieren der Punkte, die sie sieht, stresst sie auch sehr. Für Magdalena zusätzlich belastend, während sie sich auf ihr Abi vorbereitet. Sie schaffte das Abi und fing danach an, auf einem Biobauernhof zu arbeiten. Bisher kann sie sich nicht vorstellen zu studieren, weil es mit den Symptomen, an denen sie leidet, einfach zu anstrengend ist.

"Anfangs stellt man sich oft die Frage, ob man nicht doch verrückt geworden ist oder ob man sich das alles nicht einbildet, weil niemand es kennt oder es so richtig verstehen."
Magdalena, Visual-Snow-Patientin seit 2010

Die Ursachen für Visual Snow sind bisher noch unbekannt. Mediziner erforschen die seltene Krankheit noch. Die letzte größere Studie brachte einen wichtigen Fortschritt: Wissenschaftler konnten nachweisen, dass der Stoffwechsel bei Menschen mit Visual-Snow-Syndrom in einem bestimmten Teil des Gehirns schneller arbeitet, als bei gesunden Menschen. Im sogenannten Gyrus Lingualis, der dafür zuständig ist, dass Sehinformation im Gehirn verarbeitet wird. Allerdings wird es noch einige Jahre dauern, bis erste Behandlungsmethoden entwickelt werden, vermutet Mediziner Christoph Schankin, der zu diesem Thema forscht.

"Also ich glaube, wir brauchen zwei Jahre, um den Mechanismus besser zu verstehen. Und anhand eines besser verstandenen Mechanismus, muss man sicherlich mehrere Studien ausprobieren. Ich rechne mit fünf bis acht Jahren."
Christoph Schankin, Mediziner am Universitätsspital in Bern

Eine lange Zeit für Magdalena. in der sie noch mit dieser Beeinträchtigung leben muss. Sie hofft auf eine schnelle Heilung, damit sie wieder ein stressfreies Leben führen und beispielsweise auch ein Studium anfangen kann.