Viele Menschen in Sierra Leone verdienen mit Diamanten ihr Geld. Als Schürfer oder Händler. Manchmal legal, manchmal illegal. Jeweils beide Seiten hat die Politikwissenschaftlerin Nina Engwicht getroffen.

Während des Bürgerkriegs zwischen 1991 und 2002 galten sie in Sierra Leone als Blutdiamanten. Diamanten, mit deren Erlös Waffenkäufe finanziert wurden. Die Geschichte der Blutdiamanten wurde später die Grundlage für Hollywood-Filme, unter anderem verarbeitet in Blood Diamond mit Leonardo di Caprio.

Ganz anders als im Film sieht es auf dem richtigen Diamantenmarkt in Sierra Leone aus. Die 32 Jahre alte Politikwissenschaftlerin Nina Engwicht hat das Land mehrere Monate mit dem Motorrad bereist und mit mehreren Akteuren des Diamantenhandels gesprochen.

"Es gibt Schürfer, Händler und internationale Käufer. Bei denen kann man nicht genau sagen, wer zu den Guten und wer zu Bösen gehört. Aber es gibt durchaus zwielichtige Gestalten, wie man sie aus den Filmen kennt."
Nina Engwicht, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedensakadamie Rheinland-Pfalz

Sie war überrascht, wie einfach es war, mit den Menschen ins Gespräch zu kommen und wie offen sie über ihre Geschäfte gesprochen haben. Das liegt aus ihrer Sicht vor allem an der Struktur des Diamantenhandels in Sierra Leone. Denn egal, ob sie legal oder illegal geschürft werden, die Diamanten würden letztendlich an legale Exporteure verkauft.

"Ein Großteil der illegal geschürften Diamanten geht eh in den legalen Markt über. Das ist der Grund, warum auch nicht alle Formen des illegalen Schürfens im Geheimen stattfinden."
Nina Engwicht, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedensakadamie Rheinland-Pfalz

Zwielichtige Gestalten hat sie auf ihrer Forschungsreise auch getroffen. Händler zum Beispiel, die man am Strand kennenlernt, oder die in Bars sitzen und Touristen Glas oder Quarz als Diamanten verkaufen. Auf ihrem Weg mit dem Motorrad zu einer Mine mit Tausend - teils illegalen - Schürfern, wurde es aber doch einmal brenzlig.

"Viele Schürfer waren arbeitslose Jugendliche. Einige kamen auf mich zugerannt, wurden wütend und sagten, was macht die Frau hier? Wir lassen hier keine Frauen rein."
Nina Engwicht, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Friedensakadamie Rheinland-Pfalz

Diese Situation ließ sich aber schnell entschärfen und sie konnte ihre Interviews führen. Das Diamantenschürfen beschreibt sie als Knochenjob, der aber in Sierra Leone als völlig normal gilt. Auf die Frage, ob der illegale Diamantenhandel dem Land schade, hat sie eine überraschende Antwort: Zwar schade das dem Land ökonomisch, da das Geld nicht versteuert werde. Man könnte aber umgekehrt auch sagen, so Engwicht, dass der illegale Diamantenhandel zur Stabilisierung der Nachkriegsgesellschaft in Sierra Leone beiträgt, indem er vielen Menschen ein Einkommen sichert.