Die 30-jährige CDU-Politikerin Diana Kinnert sieht in der Einsamkeit eine gesellschaftliche Herausforderung, auf die der Staat auch eine Antwort finden müsse. In Großbritannien gebe es bereits ein Anti-Einsamkeitsministerium. Warum das dringend notwendig sei, erzählt sie im Gespräch.

Seit ihrem 17. Lebensjahr ist Diana Kinnert CDU-Mitglied. Aber kein stilles. Sie engagiert sich für die Themen, die ihr wichtig sind, sagt die 30-Jährige. Sie hat Politik- und Sozialwissenschaften und Philosophie studiert, war lange Stabsleiterin des Bundestagsvizepräsidenten und somit aktiv im politischen Betrieb unterwegs.

Weltweit erstes Anti-Einsamkeitsministerium

Vor über fünf Jahren habe sie in Großbritannien die Politikerinnen und Politiker kennengelernt, die dort das weltweit erste Anti-Einsamkeitsministerium gegründet haben. Vor wenigen Monaten habe Japan ebenfalls eines gegründet und in den Niederlanden gebe es auch staatliche Stellen, die sich damit beschäftigen.

Hinter dem Thema Einsamkeit stecke der demografische Wandel, alte Menschen oder auch die Digitalisierung, sagt Diana Kinnert. Deshalb möchte sie dieses Projekt des Anti-Einsamkeitsministerium auch in Deutschland umsetzen.

"Ich wünsche mir eine Staatsminister*in für Einsamkeit"
Diana Kinnert, CDU-Politikerin

Durch die Pandemie und die damit verbundenen Lockdowns habe das Thema Einsamkeit noch einmal eine ganz andere Relevanz erlangt, meint Diana Kinnert.

Gesundheitliche Folgen der Einsamkeit

In Großbritannien werde das Thema Einsamkeit schon länger erforscht. Vor rund fünf Jahren haben dort über 200.000 alte Menschen gelebt, die weniger als einmal im Monat Kontakt zu Familie oder Freunden hatten.

Die Wissenschaft untersuche schon länger, was Einsamkeit mit den Menschen mache. Dabei gehe es nicht allein um die soziale Isolation, sondern auch um das subjektive Empfinden, darunter zu leiden, keinen Austausch oder Intimität zu haben. Besteht dieses Empfinden dauerhaft ohne die Möglichkeit, etwas daran zu ändern, führe das zu Angstzuständen, Depressionen, Kreislaufstörungen oder auch Demenz.

"Einsamkeit macht so krank wie täglich 15 Zigaretten."
Diana Kinnert, CDU-Politikerin

Je länger sich Diana Kinnert mit dem Thema beschäftigt, desto mehr stellt sie fest, dass auch viele junge Menschen von Einsamkeit betroffen sind. "Einsamkeit ist die unsichtbarste, aber radikalste und folgenschwerste Krise unserer Zeit", sagt sie und hat ein Buch über "Die neue Einsamkeit - und wie wir sie als Gesellschaft überwinden können" geschrieben.

"Unsere Generation sagt: Ich rede täglich mit tausenden Menschen, gesehen und aufgefangen fühle ich mich von keinem."
Diana Kinnert über Einsamkeit

Dabei habe Einsamkeit nicht einfach nur etwas mit An- oder Abwesenheit von Menschen zu tun, sondern damit, ob wir anderen vertrauen, uns auf sie einlassen können und ob wir uns verstanden fühlen, erklärt Diana Kinnert.

In Gespräch erzählt Diana Kinnert Deutschlandfunk-Nova-Moderator Sebastian Sonntag wie es dazu kam, dass sie in die CDU eingetreten ist, ob sich Politikerinnen einsam fühlen, wie Konsum und Einsamkeit und Erziehung und Einsamkeit zusammenhängen und wie wir als Gesellschaft Einsamkeit überwinden können. Das ganze Gespräch hört ihr, wenn ihr oben auf den Play-Button klickt.