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Ärztinnen und Ärzte in Deutschland dürfen nicht mehr nur Salben und Tabletten verschreiben oder eine Reha beantragen: Seit einigen Monaten haben Erkrankte auch Anspruch auf eine kostenfreie App. Rechtsgrundlage dafür ist das digitale Versorgungsgesetz, das der Deutsche Bundestag verabschiedet hat. Die Medizin-Informatikerin Monika Pobiruchin erklärt diese Entwicklung.

Seit einiger Zeit dürfen wir uns auf Kosten der Krankenkasse eine App herunterladen. Per Gesetz haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf die Versorgung über eine digitale Gesundheitsanwendung (DiGA). Voraussetzung ist, dass eine Ärztin oder ein Arzt bei uns eine physische oder psychische Erkrankung diagnostiziert hat. Außerdem muss gecheckt werden, ob das Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte die betreffende Gesundheits-App bereits geprüft und als "medizinisch hilfreich" eingestuft hat. Im positiven Fall erhalten wir einen Freischaltcode und können die App nutzen.

Vielfältige Anwendungsbereiche

Die Anwendungsbereiche sind schon jetzt vielfältig – und ständig kommen neue hinzu. Monika Pobiruchin berichtet über Forschungsprojekte, durch die uns solche Apps in Zukunft auf bisher nie vermuteten Gebieten unterstützen könnten.

"So ein Mikrofon am Smartphone kann man nicht nur nutzen, um zu telefonieren, sondern man kann auch messen, wie stark da jemand reingepustet hat."
Monika Pobiruchin, Medizin-Informatikerin

Möglich wäre etwa, das Mikrofon des Smartphones zu verwenden, um zuhause selbst einen digitalen Lungenfunktionstest durchzuführen. Ebenso könnte mit einem kleinen Kameraaufsatz das Auge so detailliert fotografiert werden, dass der Augenarzt nur noch das Bild analysieren und das Auge nicht mehr vor Ort in der Praxis prüfen muss. In beiden Fällen wäre ein Arztbesuch also überflüssig.

"App statt Arzt" ist eine rasante Entwicklung, mit der selbst Fachleute so nicht gerechnet haben. Sie hat mit enormem Tempo die schleppende Einführung der elektronischen Patientenakte überholt, die erst 2022 abgeschlossen sein soll.

Monika Pobiruchin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin und Medizin-Informatikerin an der Hochschule Heilbronn. Sie forscht dort am "Gecko Institut Medizin, Informatik und Ökonomie". Außerdem ist sie stellvertretende Leiterin der Projektgruppe "Consumer Health Informatics" der Deutschen Gesellschaft für Medizinische Informatik, Biometrie und Epidemiologie (GMDS). Pobiruchin analysiert Routinedaten des Gesundheitswesens und untersucht E-Health-Dienste, die von Patienten benutzt werden oder benutzt werden können. Ihren Vortrag "App statt Arzt - Smarte Technik für die Gesundheit" hat sie am 14.10.2020 im Technoseum Mannheim im Rahmen der Reihe "Der digitale Mensch?" gehalten.