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Die Rente gilt vor allem für junge Leute als nicht mehr sicher. Die FDP will nun ein besseres Modell gefunden haben – eine staatliche Rente, die zum Teil auf Aktien basiert. Wir überprüfen, was an dem Vorschlag dran ist.

Eigentlich klingt es nach einem ziemlich guten Konzept: Nach vielen Jahren Arbeit darf man sich zurücklehnen, vielleicht reisen, Hobbys nachgehen oder mit den Enkeln Zeit verbringen. Was man aber braucht, um die Rentenzeit zu genießen, sind Gesundheit und genug Geld. Für Letzteres will die FDP sorgen.

Die Liberalen halten wenig von der staatlichen Rente, wie es sie bis jetzt gibt. Sie liebäugeln mit einer gesetzlichen Aktienrente und rühren dafür während des Wahlkamps kräftig die Werbetrommel.

Staatliche Rente: halbwegs sicher, aber zu niedrig

Julius Kliss hat sich für den Tagesschau-Podcast "mal angenommen" mit dem Thema beschäftigt. Um den FDP-Vorschlag zu verstehen, rät er, sich zunächst mit dem aktuellen Rentenmodell auseinanderzusetzen. Das funktioniert nach dem sogenannten Umlageverfahren. Dabei führen sowohl Arbeitgeberinnen also auch Arbeitnehmer jeweils 9,3 Prozent in die Rentenkasse ein. Zusammen sind das dann 18,6 Prozent Rentenbeitrag.

"Die Liberalen schlagen nun vor, davon zwei Prozent abzuzweigen und in staatlich gemanagte Aktienfonds fließen zu lassen."
Justus Kliss, ARD-Hauptstadtstudio

Die zwei Prozent, die dann in der Rentenkasse fehlen, will die FDP aus Steuermitteln auffüllen. Das wären aber bis zu 30 Milliarden Euro pro Jahr.

Es werden immer mehr Rentner*innen

Das liege daran, dass im deutschen Rentensystem Arbeitnehmer*innen nicht in ihre persönliche staatliche Rentenversicherung einzahlen, sondern die Rente der Rentner*innen aus laufenden Einzahlungen der Arbeitnehmer*innen bezogen werde, so Justus Kliss.

"Zurzeit geht die Generation der Babyboomer in Rente. Das heißt, die aktuellen verhältnismäßig wenigen Arbeitnehmer zahlen in den nächsten Jahren für die große Gruppe an Rentnern ein."
Justus Kliss, ARD-Hauptstadtstudio

Das Anliegen der FDP scheint aber trotzdem löblich, denn eine aktienbasierte Rente verspricht, wenn die Börse es gut meint, eine höhere Rendite und damit eine höhere Auszahlung für diejenigen, die die Rente beziehen.

Vorbild Schweden

Die Idee von der gesetzlichen Altersrente stammt aus Schweden. Hier liege die Rendite bei elf Prozent, sagt Justus Kliss. In Deutschland liegt sie im Vergleich dazu bei drei Prozent. Da scheint es schon verständlich, dass nicht nur die FDP neidisch nach Schweden guckt. Auch Olaf Scholz (SPD) hat sich in der ARD-Wahlarena offen gegenüber dem schwedischen Modell gezeigt.

"In Schweden muss seit den 1990er-Jahren jeder einen kleinen Teil seines oder ihres Rentenbeitrags am Kapitalmarkt, also letztlich an der Börse, anlegen."
Ausschnitt aus dem Tagesschau-Podcast "mal angenommen"

Allerdings verfolge Schweden diese Strategie schon seit 20 Jahren, erklärt Justus Kliss. Das Modell sei nämlich auf Langfristigkeit ausgelegt und müsse in Jahrzehnten gedacht werden. Allein von zwei abgezweigten Prozent, wie das für Deutschland geplant ist, sei so eine hohe Ausschüttung kurzfristig nicht drin.

Börse: die Krux mit der Sicherheit

Was das Aktienmodell allerdings nicht mit sich bringt, ist Sicherheit. Börse ist nun mal Börse. Die 2000er-Jahre gelten als Krisenzeit: Der sogenannte Neue Markt brach zusammen, Banken mussten gerettet werden, Anleger verloren Erspartes. Vor allem die Linkspartei hält daher nichts davon.

Dass das nicht wieder passiert, kann niemand ausschließen. Die FDP erwidert darauf: Wenn man sich die Börse langfristig anguckt, ist es am Ende immer gut gegangen. Und das, sagt Justus Kliss, stimme bis jetzt rein faktisch auch. Eine Garantie für die Zukunft sei das aber natürlich nicht.