Die App PrioBike soll in Hamburg das Radfahren attraktiver machen. Das Programm zeigt, wie man sich die perfekte grüne Welle erstrampeln kann: Langfristig soll es dann (fast) ohne rote Ampeln durch die Stadt gehen. Aber erstmal ist das Ganze noch ein Test.

Hinter der App PrioBike stecken die Stadt Hamburg und die Technische Universität Dresden. "Die Anwendung soll die Fahrweise der Radfahrerinnen und Radfahrer beeinflussen und irgendwann auch die Ampelschaltungen", sagt unsere Reporterin Ilka Knigge.

"Anhalten an Kreuzungen soll deutlich seltener vorkommen. Denn das raubt eben viel Zeit."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Die App startet zunächst mit einer Testphase an vier Kreuzungen und mit ein paar hundert Nutzerinnen und Nutzern. Ziel ist es, dass Radfahrende deutlich seltener an Kreuzungen mit roten Ampeln stehen. Dafür soll ihnen die App während der Fahrt anzeigen, ob sie schneller, langsamer oder gleich schnell fahren müssen, um die nächste Ampel bei grün zu erwischen.

App soll den Radverkehr schlauer machen

Die App soll den Radverkehr attraktiver machen. Der Vorteil ist dabei, dass es keine baulichen Veränderungen braucht – keine neuen Radwege zum Beispiel. Eine Verbesserung für Radfahrende ist durch die App sofort umsetzbar. Auch werden die Daten der Radfahrenden gesammelt, sodass die Ampelschaltungen langfristig radfreundlicher gemacht werden können.

In der niederländischen Stadt Breda gibt es bereits eine grüne Welle für Radfahrende. "Eine Studie, die dort gemacht wurde, hat gezeigt, dass so eine radfreundliche Ampelschaltung für Radfahrende viel bringt", so Ilka Knigge. Außerdem würden andere Verkehrsteilnehmende kaum ausgebremst. Hinzu kommt, dass Radfahrerinnen und Radfahrer keine Umweg mehr fahren müssen, so Herbert Thiemens. Er leitet die Verkehrs- und Transportbehörde in Utrecht. Studien zeigten, dass Radfahrende teils bis zu 90 Metern Umweg in Kauf nehmen, um Ampeln zu umfahren.

Die Niederlande machen schon viel mehr für den Radverkehr

In Utrecht, wo Herbert Thiemens mit für den Verkehr zuständig ist, gibt es noch mehr Maßnahmen für Radfahrende:

  • Zum Beispiel Ampeln mit Wärmesensoren. Die können für große Gruppen von Radlern die Grünphasen verlängern. Das geht aber nur in den Randbezirken. Für Innenstädte taugen diese Wärmesensoren nicht, weil zu viele Menschen, auch größere Gruppen, unterwegs sind.
  • In der Innenstadt setzt man dann auf Induktionsschleifen. Das sind in den Radweg eingelassene Drahtschleifen, die Radfahrende erkennen und auf einer Distanz von 200 Metern eine grüne Welle schalten.
  • Ebenso gibt es digitale Anzeigen an Säulen befestigt, die Radfahrenden zeigen, ob sie schneller, langsamer oder gleich schnell fahren müssen, damit die nächste Ampel grün ist. Die Säulen ersetzen quasi eine App. Radfahren per grüner Welle ist dann auch ohne Smartphone möglich.

Diese Säulen soll es auch in Hamburg geben, so Ilka Knigge. Ab dem kommenden Jahr sollen sie getestet werden. "Genaue Ziele, ab wann das System ausgeweitet werden soll, gibt es nicht", sagt Ilka. Es soll sukzessive vorangehen. Aber immerhin ist Hamburg die erste Stadt in Deutschland, die eine derartige Technologie testet.