Früher war der Lebensmittelpunkt das Wohnzimmer. Genauer gesagt, die Couch in Personalunion mit dem Fernseher. Das sieht heute ganz anders aus. Denn für die bequeme, aber opulente Wohnlandschaft gibt es in vielen Stadtwohnungen kaum noch Platz.

An die Stelle des familiären Gesprächskreises aus verschiedenen Sofas und Sesseln ist die Multifunktionscouch getreten. Das liegt vor allem daran, dass immer mehr Menschen in Städten leben. Dort ist Wohnraum teuer, deshalb werden die Wohnungen kleiner - und die meisten Stadtbewohner leben alleine oder in Wohngemeinschaften. Die Lösung für das Platzdilemma: die Schlafcouch. Tagsüber bequeme Sitzgelegenheit und nachts Bett.

Die Stadt übernimmt Funktionen des Sofas

Wer so beengt lebt, der verbringt natürlich weniger Zeit auf der Couch. Lange Gespräche finden längst in den Kneipen statt - sie sind zu den Wohnzimmern der Stadtbewohner geworden. Sogar der Fernsehabend wird in die Kneipe verlegt. Rudelgucken heißt das Stichwort und das gilt nicht mehr nur für den Fußball. Auch der sonntäglich Tatort wird gemeinsam in der Kneipe geguckt.

"Junge Menschen bewohnen eher die Stadt. Sie gehen raus im Sommer, nutzen die Parks oder gucken zusammen mit anderen Fernsehen."
Walter Prigge, Stadtforscher

Hauptsache funktional

Das Sofa gibt nicht nur Aufgaben ab, es bekommt auch neue hinzu. Immer mehr Menschen arbeiten zu Hause. Deshalb wird die moderne Couch nicht länger nur zum Schlafen und Rumlümmeln genutzt, sie ist auch Kommunikations- und Arbeitsplatz. Deshalb, sagt Stadtforscher Walter Prigge, gibt es immer mehr Anbauten für die Couch. Zum Beispiel einen tablettartigen Arm, auf dem man den Laptop oder das Tablet platzieren kann.