Rund tausend Meter unter dem Meeresspiegel beginnt eine andere Welt. Forscher vermuten, dass Millionen Arten von Tiefseebewohnern noch unbekannt sind.

Der größte Lebensraum unsere Planeten ist uns so gut wie unbekannt: die Tiefsee. Ganze 60 Prozent der Erdoberfläche liegen mehr als tausend Meter unter dem Meeresspiegel. Dorthin vorzudringen, ist extrem schwierig. Normale militärische U-Boote halten dem enormen Druck in dieser Tiefe schon nicht mehr stand.

"Das gesamte Tiefseeleben lebt von Abfall und ist perfekt angepasst an Recycling."
Antje Boetius, Meeresbiologin

Pflanzen halten es in dieser lebensfeindlichen Umgebung nicht mehr aus. Aber Tiere schaffen das - unter erstaunlichen Anpassungsleistungen. Muscheln zum Beispiel ziehen quasi durch Hybridantrieb ihre Energie wahlweise aus Gas oder Wasserstoff - je nachdem, was gerade verfügbar ist. Die meisten dieser Spezies kennen wir nicht. Forscher vermuten, dass Millionen von Arten noch unbekannt sind.

"Bis zu einer Milliarde Zellen leben in einem Teelöffel Schlamm"

In ihrem Vortrag erklärt die Meeresbiologin Antje Boetius, wie das Leben in der Tiefsee überhaupt funktioniert, welchen Wert diese unbekannte Welt für uns hat, wie dieses weitestgehend verborgene Ökosystem mit der uns bekannten Welt zusammenhängt und wie wir Menschen dieses empfindliche System beeinflussen. Die Tiefsee, da ist Boetius überzeugt, birgt Antworten auf bedeutende Fragen der Zukunft.

"Das Einzige, was Bakterien NICHT können, ist Plastik zersetzen."
Antje Boetius, Meeresbiologin

Antje Boetius war schon als Kind vom Meer fasziniert und hat diese Begeisterung zu ihrem Beruf gemacht. Heute lehrt sie Geomikrobiologie an der Universität Bremen und leitet am Bremer Max-Planck-Institut für Marine Mikrobiologie die Forschungsgruppe Mikrobielle Habitate und am Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Bremerhaven die Helmholtz-Max-Planck-Forschungsgruppe für Tiefseeökologie und –technologie.

Ihren Vortrag "Die Geheime Welt der Ozeane – Erforschung des Lebensraums Tiefsee" hat sie im Rahmen der Veranstaltungsreihe "Dialog im Museum" der Daimler und Benz Stiftung am 25.09.2014 gehalten.

Die Nahaufnahme eines Fisches.