Oh Gott! Riesenhunde, Aidsinfizierte Bananen, Designer-Taschen für ein paar Euro. Manchmal macht Facebook uns ganz nervös. André Wolf und seine Kollegen vom Verein Mimikama weisen auf aktuelle Fakes in Social Media hin. Ihr Motto: "Zuerst denken, dann klicken"

Es hatte ganz harmlos angefangen mit Farmville, dem Spiel auf Facebook. Als Tom Wannenmacher in eine dieser FB-Gruppen geriet, in denen es nur um Abzocke ging, warnte er vor der Seite - mit einer Riesenresonanz. "Das bringt was", war sein Gedanke und die Facebook-Seite "Zuerst denken, dann klicken" war geboren. Später kam noch André Wolf dazu: Gemeinsam gründeten sie 2011 den Verein Mimikama, das heißt auf Suaheli "Gefällt mir".

Falschmeldungen ohne Ende

ZDDK - steht für "Zuerst denken, dann klicken". Eine kleine Warnung, wenn wir teilen, liken oder uns über diese oder jene unglaubliche Nachricht empören wollen. Über 600.000 Leute folgen der Seite. Denn Falschmeldungen gibt es jede Menge: von Chemtrails bis zu den jährlich wiederkehrenden "Ich widerspreche den AGBs von Facebook"-Posts.

André Wolf behält da den Überblick. Und belässt es nicht bei der Warnung. Echte Medienbildung steckt in ihren Beiträgen: Wie kann ich Online-Quellen prüfen? Wie erkenne ich Fake-Bilder? Wie gehe ich mit User-Videos aus Krisengebieten um?

"Der Fake ist älter als Facebook. Früher hat man vor 'Zeitungsenten' gesprochen. Heute ist es wesentlich einfacher, Falschmeldungen zu verbreiten."
André Wolf, Mimikama

Der unreflektierte "Teilen"-Reflex ist oft gar nicht böse gemeint, sagt André Wolf. Andere Storys aber seien Populismus pur - und oft plumpe Horrorgeschichten, die Ängste und bestimmte Ideologien stärken sollen. So setzten etwa auch rechtsextreme Bewegungen diese ein: etwa die Geschichte, dass die Bundesregierung heimlich Flüchtlinge per Flugzeug einschmuggelt. "Vor zwei Jahren hätte dieser Fake nicht funktioniert. Wir hätten auf dem Boden gelegen vor Lachen und nicht daran geglaubt. Im Moment ist aber die Zeit für diesen Fake", sagt André Wolf.

"Ein Fake muss grundsätzlich für möglich gehalten werden. Das ist der Punkt."
André Wolf, Mimikama

Und Fakes und Hoaxes sind verdammt hartnäckig: Etwa die Feuchtücher, die dazu führen sollen, dass Tiere daran ersticken. Oder die gefährlichen ominösen weißen Bullis. Diese Meldung poppen immer wieder auf, mal eingedeutscht, mal abgewandelt, mal weiter dramatisiert. Ganz, ganz selten ist an der Story aber wirklich etwas dran."Sie sind dramatisch, interessant. Und einfach Evergreens", sagt André Wolf. Daher bietet Mimikama auch eine Hoax-Suchmaschine an, die diese recycelten Meldungen direkt zu Tage fördert.

"Es gibt Saisonale Fakes. Ich weiß jetzt schon, dass zu Weihnachten wieder die Meldung kommt, dass auf einem Weihnachtsmarkt drogenhaltige Parfums versprüht werden, um junge Frauen zu betäuben."
André Wolf, Mimikama

Natürlich macht sich Mimikama damit nicht nur Freunde. Für Trubel sorgte ihre Aufdeckung der rechten Facebook-Seite "Anonymous.Kollektiv". Diese wurde nach der Intervention von Facebook gelöscht. Daraufhin bekamen André Wolf und seine Kollegen Drohungen und wurden selbst Opfer von Online-Verleumdungen. Zum Glück gibt es Unterstützung von offizieller Seite, auch das Landeskriminalamt ermittelt.

Bei ihren Recherchen zu solchen Fakes ist Mimikama manchmal auf die Polizei angewiesen. Auch die sind mittlerweile recht erfolgreich auf Facebook unterwegs. Für André Wolf sind deren professionelle Social-Media-Auftritte sehr hilfreich. "Das wird immer besser", sagt er.