Jahrelang hat Fredi unter Essstörungen und Entwertungen gelitten. Das hat auch mit Leistungssport zu tun. Heute hat sie es geschafft, damit abzuschließen.

Ständige Gewichts- und Körperkontrolle und eine verunsichernde Unzufriedenheit mit sich selbst. Der Alltag von Menschen mit Körperunzufriedenheit gleicht einem Leidensweg. Bei Fredi ist es gut ausgegangen, angefangen hat es wohl auch mit abwertenden Kommentaren zu ihrem Köper. Damit hatte sie schon in ihrer Jugend zu tun. "Ich war weniger wert, wenn ich zugenommen habe", sagt sie. Sie hat sich verpflichtet gefühlt, Sport zu machen und landete beim Wettkampfschwimmen.

"Es muss hat aus dem Kopf raus, dass man nur was wert ist, wenn man schlank ist."
Fredi, macht sich und ihrem Körper keinen Druck mehr

Die Abwertung ihres Körpers durch die eigenen Eltern und ihren Schwimmtrainer war sie gewohnt. "Auf der Sportseite waren sie sehr unzufrieden mit meinen Hüften. Er hat gesagt: Fett schwimmt zwar oben, aber Fett schwimmt nicht schnell", diesen Satz habe sie beim Schwimmtraining gehört, berichtet Fredi.

Ob Kunstturnerinnen oder Balletttänzerinnen: Vor allem Wettkampfsportlerinnen erlebten Vergleichbares regelmäßig. Mit 15 Jahren hat sie mit dem Leistungsschwimmen aufgehört, etwas Gewicht zugelegt und mit der Abwertung ging es dann erst richtig los, berichtet sie. Auch mit den Diäten fing es in diesen Jahren an.

Mit der Zeit hat sich bei Fredi ein Druck aufgebaut, das Gefühl wenig essen zu müssen, um einem Schönheitsideal zu entsprechen. Diese Vorstellung hat sie dann in eine Bulimie geführt. Sie war in Foren unterwegs, wo sich überwiegend Mädchen und junge Frauen in ihrer Bulimie und Anorexie gegenseitig bestärken.

Kontrolliere Nahrungsaufnahme

Dann lebte sie in einer Phase intensiver Selbstkontrolle: Kalorienrechner, Diäten, Low-Carb-Ernährung. Manchmal hat sie sich bestraft, indem sie das Frühstück hat ausfallen lassen. Nach Weihnachten hat sie sich immer schlecht gefühlt.

"Eine meiner besten Freundinnen ist Ernährungstherapeutin. Sie hat mir geholfen ohne dass ich sie nach Hilfe gefragt hab."
Fredi, macht sich und ihrem Körper keinen Druck mehr
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Erst etwa im Alter von 27 Jahren, hat sie sich aus dieser Essstörung herausgekämpft und angefangen sich normal zu ernähren. Heute, im Alter von 29 Jahren, ist sie überzeugt, die Bulimie überwunden zu haben. Darüber zu sprechen, sei sicherlich eine Hilfe, findet sie.

"Ich bin ein Typ Mensch, der gerne offen über Sachen redet, dann sind sie für mich abgeschlossen und greifbar."
Fredi, macht sich und ihrem Körper keinen Druck mehr

Kommentare der Eltern, wie Fredi sie beschrieben hat, sind ein früher Impuls für Körperunzufriedenheit, sagt Georgios Paslakis. Davon höre er immer wieder. Er ist Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie und arbeitet für die Ruhr-Universität Bochum. Das nähere soziale Umfeld beeinflusse Körperideale und die Wahrnehmung des eigenen Körpers.

Georgios Paslakis, forscht zu Ess- und Persönlichkeitsstörungen an der Ruhr-Universität Bochum
© Steve Stange
Georgios Paslakis, forscht zu Ess- und Persönlichkeitsstörungen an der Ruhr-Universität Bochum
"Freundinnen und Freunde spielen auch eine wichtige Rolle, weil Gespräche im Jugendalter sehr viel um Aussehen und Körper drehen."
Georgios Paslakis, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie, Ruhr-Universität Bochum

Möglicherweise hätten körperzufriedene Menschen eher Eltern, bei denen Körper, Figur, Gewicht und Aussehen keine so große Rolle gespielt hat. Er habe beruflich auch mit Menschen zu tun, die in ihrer Kindheit und Jugend wegen kleiner Makel oder Schönheitsfehler gemobbt worden sind.

"Wichtig ist, dass wir alle darüber nachdenken, was es bedeutet und wieviel Druck das ist, in dieser Gesellschaft zu sein und sich mit dem Körper zu beschäftigen."
Georgios Paslakis, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie, Ruhr-Universität Bochum

Wir werden in allen Facetten unseres Lebens förmlich mit den Körperidealen der Gesellschaft bombardiert, sagt Georgios Paslakis. Das Schlankheitsideal werde dann internalisiert, also übernommen. Der Druck komme dann im sozialen Vergleich noch dazu. Grundsätzlich führten viele Faktoren gemeinsam zu Körperunzufriedenheit und in einem Wechselspiel dann eventuell zu einer Essstörung.

Er nennt folgende Aspekte von Körperunzufriedenheit:

  • sehr früher Beginn sogar schon bei Kleinkindern im Alter von sechs Jahren
  • Höhepunkt zwischen 16 und 18 bis 28 Jahren
  • Körperunzufriedenheit bei Kindern entsteht auch durch ihr familiäres und soziales Umfeld
  • kulturelle und geografische Faktoren
  • Essstörungen können eine Folge sein
  • Frauen wollen eher schlank sein und Männer eher Muskeln aufbauen
  • mediale Schönheitsideal spielen eine große Rolle

In seiner wissenschaftlichen Arbeit komme bei der Analyse das Bio-Psycho-Soziale-Modell zur Anwendung. Das Modell berücksichtige:

  • biologische Ursachen (beispielweise genetische)
  • psychologische Ursachen (beispielsweise Aspekte der Persönlichkeit)
  • soziale Ursachen (die Medien, die Gruppe der Gleichaltrigen und weitere)
"Ob wir mit der Körperwahrnehmung zufrieden sind, hängt davon ab, welche Gedanken und Gefühle mit diesem Bild, das wir von unserem eigenen Körper haben, zusammenhängen."
Georgios Paslakis, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie, Ruhr-Universität Bochum

Soziale Medien abzuschalten, könne eine Maßnahme sein. Das eigene Denken zu verändern, könne ein Ausweg aus Körperunzufriedenheit sein – vielleicht auch mit therapeutischer Hilfe.

Sollte die Körperunzufriedenheit ein gefährdendes Ausmaß annehmen, Georgios Paslakis nennt beispielsweise die Einnahme von Abführmitteln oder das Erbrechen nach dem Essen, könne an erster Stelle die Hausärztin oder der Hausarzt, also ein Allgemeinmediziner helfen. Dazu kommen noch Hilfsangebote von Spezialkliniken, die beispielsweise auf die Behandlung psychosomatischer Essstörungen spezialisiert sind.

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  • Moderatorin:  Shalin Rogall
  • Gesprächspartnerin:  Fredi, macht sich und ihrem Körper keinen Druck mehr
  • Gesprächspartner:  Georgios Paslakis, Facharzt für Psychosomatische Medizin, Psychotherapie und Psychiatrie, Ruhr-Universität Bochum