Ob bei der Arbeit oder beim Date: Nicht selten haben Männer ein Problem damit, wenn Frauen ihre eigene Meinung äußern. Soraya und Refiye vom Podcast "Chai Society" halten "toxische Männlichkeit" für eine Ursache. Und wollen sich starkmachen. Nicht nur für Frauen, sondern für alle Menschen.

Die beiden Podcasterinnen Refiye Ellek und Soraya Öztekin sind Muslimas und Feministinnen. Beide sind in Deutschland geboren und sprechen in ihrem Podcast "Chai Society" regelmäßig darüber, was sie zwischen den verschiedenen Kulturen erleben.

Dabei werfen sie auch einen Blick auf die eigenen Zuhörer. "Das sind primär Menschen, die im nahöstliche Bereich ihre Wurzeln haben", meint Soraya. Manche Männer aus der Community würden sich jedoch in einer Komfortzone befinden.

Sie hätten etwa ein Problem damit, wenn Frauen sich für Dinge starkmachten oder ihre Meinung kundtäten. "Viel Sprechen wird nicht als positiv gesehen", sagt Refiye. Ihren eigenen Mann kann Soraya nur zum Teil aus diesem Männerbild ausklammern.

"Er würde sich nicht als Feminist bezeichnen. Dennoch ist er bereit dazu, in Elternzeit zu gehen und den Haushalt zu schmeißen."
Soraya Öztekin , Podcasterin

Genauso problematisch sei es, wenn Männer Frauen idealisieren und vor jeglicher Anstrengung schützen würden. So sei es für manche Männer unvorstellbar, dass eine Frau geliebt werden und zugleich körperlich und mental unabhängig sein könne.

"Wir gehen nicht davon aus, dass wir, nur weil wir Frauen sind, bestimmte Dinge nicht sagen oder machen können."
Refiye Ellek , Podcasterin

Feminismus und "toxische Männlichkeit"

Den Feminismus beziehen die beiden dabei nicht nur auf die Unterstützung und Repräsentation von Frauen. "Es geht darum, dass man sich für alle Menschen starkmacht", meint Refiye. Dieses Sich-Stark-Machen sei für manche jedoch eher abstoßend. Schnell würde Frauen unterstellt werden, sie seien dauerhaft am Kämpfen und nie zufrieden.

Soraya und Refiye führen solche Verhaltensmuster auf eine "toxische Männlichkeit" zurück. Laut den beiden Podcasterinnen müssten manche Männer seit Kindertagen ständig beweisen, dass sie eine bestimmte Rolle einnehmen können. Dabei sei es eigentlich wichtig, zu den eigenen Gefühlen und Ängsten zu stehen. Für die Zukunft wünschen sich Soraya und Refiye, dass Jungs künftig dafür mehr Raum zugesprochen wird.

Redaktioneller Hinweis

Über die Definition von Männlichkeit, das Patriarchat, Rollenbilder und "toxische Männlichkeit" haben auch Shanli Anwar und Till Opitz in einer Ausgabe "Eine Stunde Liebe" beim Podcastfestival im Hamburg mit Gästen diskutiert.