Unsere westliche Gesellschaft ist auf das Erreichen von Zielen ausgerichtet, auf ein ständiges Mehr. Beziehungen und Interaktion sind der Ausweg, sagt Hartmut Rosa.

Wachstumsgesellschaft, das bedeutet für Hartmut Rosa die eigene Reichweite zu vergrößern. Das meint der Soziologe sowohl im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Ganz simpel ausgedrückt: je mehr Geld wir haben, desto größer wird unsere Reichweite - wir können uns weltweit freibewegen.

"Eine solche Einrichtung der Gesellschaft ist nicht natur- oder menschengegeben, sondern entwickelt sich in der westlichen Moderne seit dem 18. Jahrhundert."
Hartmut Rosa, Soziologe an der Universität Jena, über das Prinzip Wachstum

Im übertragenen Sinne meint er auch unsere digitale Reichweite. Mit Mobiltelefonen, Satelliten und Computern dringen wir in die entlegensten Winkel der Welt vor - und haben Zugang zu einem unermesslichen Reichtum an Wissen. Aber macht uns das glücklich?

Alternativen zum Wachstum

Hartmut Rosa ist nicht generell gegen Wachstum und Innovation. Im Gegenteil. Beides ist notwendig, um eine Gesellschaft am Leben zu erhalten, sagt er. Es kommt nur auf das Maß an. Denn permanente Steigerung im Hinblick auf Wachstum, Beschleunigung und Innovation führt längst nicht zu einer zufriedenen Gesellschaft.

"Kapitalistische Wachstumszwänge können nicht so einfach durch individuelles Wünschen und Handeln außer Kraft gesetzt werden."
Hartmut Rosa, Rektor am Max-Weber-Kolleg in Erfurt

Was an die Stelle von Wachstum treten kann, damit die Menschen in einer Gesellschaft sich wohl fühlen, darüber forscht Hartmut Rosa derzeit an der Universität Jena. Für ihn stellt sich aber nicht nur die Frage, wie der einzelne Mensch dem Wachstumsdruck entgegen wirken kann. Er denkt auch darüber nach, wie der Sozialstaat so umgestaltet werden kann, dass er nicht mehr auf permanentes Wachstum angewiesen ist.