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Die Taliban haben Frieden und Freiheit versprochen. Jetzt leben viele Menschen in Angst, vor allem Frauen.

Viele Frauen in Afghanistan müssen sich verstecken, die noch vor wenigen Wochen für die afghanische Polizei gearbeitet haben, sagt Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan: "Journalistinnen und ehemalige Regierungsmitarbeiterinnen fürchten um ihr Leben. Sie hoffen, dass sie das Land noch verlassen können."

Die Lage der Menschenrechte ist schlecht. So heißt es in einem Bericht von Amnesty International, dass Drohanrufe und Drohbesuche der Taliban bei Menschenrechtlerinnen täglich stattfinden.

Die Terroristen sind fast im ganzen Land, berichtet Silke Diettrich. "Ich habe noch so viele Taliban gesehen. Die waren ja sonst eher in den Provinzen oder haben in Dörfern gekämpft. Jetzt sind sie auch in großen Städten omnipräsent. Sie stehen vor Krankenhäusern. Sie sind auf Basaren."

Die Taliban-Kämpfer sind stets bewaffnet. Im ganzen Land weht die Taliban-Flagge.

"Ich habe noch so viele Taliban gesehen. Die waren ja sonst eher in den Provinzen oder haben in Dörfern gekämpft. Jetzt sind sie auch in großen Städten omnipräsent."
Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan

Silke Diettrich berichtet von ihrer Angst beim ersten Zusammentreffen mit den neuen Machthabern. Am Checkpoint forderten die Islamisten sie auf, das Auto zu verlassen. "Ich hatte an dem Tag keine Burka an, sondern nur ein Kopftuch", erzählt sie. Die Taliban hätten dann etwa eine halbe Stunde lang Selfies mit ihr gemacht.

Vor einigen Wochen noch haben die Taliban versprochen, für Freiheit und Frieden zu sorgen. Nur: Viele Menschen haben Angst.

"Was ganz anders ist als vorher, ist, dass sich ganz viele Menschen nicht mehr trauen, öffentlich was zu sagen." Das geschehe inzwischen nur hinter vorgehaltener Hand. Das macht die Arbeit für Journalistin Silke Diettrich schwer, denn auf offener Straße kann sie keine Interviews führen.

"Dann war erst mal Selfie-Time mit den Taliban angesagt. Die haben wirklich eine halbe Stunde lang ihre Smartphones gezückt. Wir haben dann ein Foto nach dem anderen mit den Taliban schießen müssen."
Silke Diettrich, Korrespondentin für Afghanistan

Für ihre Recherchen trifft Silke Diettrich mit Gesprächspartner*innen zum Beispiel in Hotels. Die Namen in Zitaten ändert sie. Auf Fotos und Videos mit Menschen verzichtet die Korrespondentin zu deren Sicherheit seit der Machtübernahme durch die Taliban.

Die neuen Machthaber bemühen sich um gute Beziehungen in den Westen, gerade nach Deutschland. Humanitäre Hilfen seien weiterhin nötig, erklärt Korrespondentin Silke Diettrich. Sie berichtet von Menschen, die nichts zu essen haben und schildert den Besuch eines Flüchtlingslagers. Dort müssten die Menschen sich Tunnel graben, um sich vor der Kälte zu schützen. "Sie leben im Winter unter der Erde, weil sie sonst erfrieren."