Hinter den Gaslecks in der Ostsee vermutet die Nato einen gezielten Sabotageakt. Die Vorkommnisse rücken die Ostsee als wichtiges militär-strategisches Binnenmeer stärker in den Fokus. Hier sind besonders die Nato-Länder und Russland stationiert. Aktuell rüsten beide Parteien militärisch in der Ostsee auf. Was dort genau passiert, erklärt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Timur Gökce.

Die Ostsee ist mit ihren Stränden vor allem ein beliebtes Urlaubs- und Badeziel. Aber auch aus militärstrategischer Sicht hat sie große Bedeutung. Vor dem Hintergrund, dass Schweden und Finnland ihre neutrale Haltung aufgegeben haben und Nato-Mitglied werden könnten, stehen sich an der Ostsee hauptsächlich zwei Lager gegenüber – die Nato und Russland, sagt Deutschland-Funk-Nova-Reporter Timur Gökce.

"An der Ostsee stehen sich hauptsächlich die Nato und Russland gegenüber. Schweden und Finnland haben ihre neutrale Haltung aufgegeben und bewerben sich für einen Nato-Beitritt."
Timur Gökce, Deutschlandfunk Nova

Russland hat dabei nur einen vergleichsweise kleinen Zugang zur Ostsee. Zum einen über den finnischen Meerbusen, eine lang gestreckte Bucht unterhalb von Finnland, in deren östlichster Ecke auch die Millionenstadt St. Petersburg liegt. Der andere Zugang erfolgt über die russische Exklave Kaliningrad, die zwischen Polen und dem Baltikum eingekeilt ist. In Kaliningrad ist auch die baltische Militärflotte von Russland stationiert.

Situation an der Ostsee: Nato ist sehr besorgt

Wie die russische Militärflotte aufgestellt ist, ist nicht genau bekannt – Militärangelegenheiten sind meistens geheim. Aus Übungsmanövern, welche die Russen in der Ostsee regelmäßig und auch zurzeit durchführen, kann aber beobachtet werden, welche Ausrüstung vorhanden ist.

Angeblich soll die Flotte unter anderem aus einem Zerstörer bestehen und zwei Fregatten – kleinere Schiffstypen, die aber eine so große Kampfkraft haben, dass sie Kriegsoperationen alleine durchführen können, sagt Timur Gökce. Außerdem sind in Kaliningrad zwei U-Boote und Mittelstreckenraketen deponiert, die mit Atomsprengköpfen bestückt werden können. Experten gehen davon aus, dass hier weiter aufgerüstet wird.

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Die Nato ist auf jeden Fall sehr besorgt, sagt Timur und reagiere auf die Entwicklungen in der Ostsee. Wie viele Schiffe und Truppen in die Ostsee versetzt wurden, ist aber auch hier nicht bekannt. Beobachtungen zufolge haben die USA Anfang August den wohl größten Kampfverband seit Ende des Kalten Krieges in die Ostsee geschickt – darunter drei riesige, teilweise mit Kampfhubschrauber bestückte Kriegsschiffe und insgesamt 4.000 US-Soldat*innen.

"Die USA haben den wohl größten Kampfverband seit Ende des Kalten Krieges in die Ostsee geschickt."
Timur Gökce, Deutschlandfunk Nova

Dahinter steckt natürlich eine Botschaft an Russland, wie auch ein Signal der Unterstützung an die Nato-Staaten und ihre Verbündeten, sagt
Timur. Die Ostsee-Anrainerstaaten verlassen sich aber nicht nur auf die USA. Seit der Annexion der Krim durch die Russen im Jahr 2014 gibt es jetzt wieder Militärpräsenz auf der schwedischen Insel Gotland, die als Ferieninsel sehr beliebt ist.

Gotland liegt strategisch sehr günstig – etwa auf halber Strecke zwischen Südschweden und dem Baltikum – und wird von manchen Strategen auch als großer Flugzeugträger bezeichnet, der sich nicht versenken lasse.

Rostock soll Nato-Hauptquartier werden

Von den 100 Milliarden Euro, die von der deutschen Bundesregierung als Sondervermögen für die Bundeswehr beschlossen wurde, soll ein Teil auch in die deutsche Marine fließen. Zudem soll bis 2025 in Rostock ein Nato-Hauptquartier entstehen, das unter deutscher Führung Marineoperationen in der Ostsee planen und steuern soll.

Trotz der militärischen Aufrüstung in der Region, scheint die Situation in der Ostsee bisher relativ ruhig zu sein. Beide Seiten, die Nato-Länder und Russland, haben Übungsmanöver in der Ostsee abgehalten, um ein bisschen mit den Muskeln zu spielen. Wirklich aneinandergeraten sind beide Parteien dort bisher noch nicht, so Timur.

  • Kurz und Heute
  • Moderatorin:  Anna Kohn
  • Gesprächspartner:  Timur Gökce, Deutschlandfunk Nova