Was haben Wildkatze, Star und die Gemeine Skorpionsfliege gemeinsam? Sie sind die Tiere des Jahres 2018. Gekürt werden sie von unterschiedlichen Organisationen. Und alle sind vom Aussterben bedroht. 

Bei der Wildkatze fällt zunächst eines auf: Sie ist superscheu. Und das ist auch der Grund, warum die meisten von uns in freier Wildbahn nie ein Exemplar zu Gesicht bekommen werden. Dazu kommt: Es ist sehr schwierig, festzustellen, ob in einem Gebiet überhaupt Wildkatzen leben. Wissenschaftler haben sich deshalb einen raffinierten Trick ausgedacht: Sie rammen Lockstöcke in den Boden, die vorher mit Baldrian besprüht worden sind. 

Baldrian wirkt auf Wildkatzen unglaublich anziehend, wie eine Mischung aus Droge und Aphrodisiakum, erklärt unser Tierexperte Mario Ludwig. Das Baldrian zieht die Wildkatzen magisch an, die Tiere reiben sich an den mit Baldrian präparierten Holzstöckchen und lassen dadurch Haare am Holz zurück. Diese Haarproben werden dann eingesammelt und im Labor untersucht. Anhand der DNA-Analyse der Haare kann dann genau analysiert werden: Stammt die Probe von einer Wildkatze oder einem ganz normalen  Stubentiger. 

Grundsätzlich gilt: Wildkatzen sind nicht nur superscheu, sondern auch unzähmbar. Sie sind die einzigen katzenartigen Raubtiere - und das schließt Löwen, Tiger und Leoparden ein - die nicht gezähmt werden können. Die Tiere können also nicht an den Menschen gewöhnt werden und lassen sich niemals freiwillig anfassen – auch wenn sie eurer Hauskatze ziemlich ähnlich sehen.

Superstar in Sachen Stimmimitation

Vogel des Jahres ist in diesem Jahr der Star. Und bei ihm ist der Name Programm. Der Singvogel ist ein Superstar in Sachen Stimmimitation, erklärt unser Tierexperte Mario Ludwig. Stare können nicht nur den Gesang vieler anderer Vogelarten täuschend echt imitieren, sondern auch Hundegebell, das Blöken von Schafen, quietschende Türen oder auch mal das Fiepen einer Alarmanlage. Allerdings machen das nur die männlichen Stare. Die bauen diese Imitationen in ihre Balzgesänge ein, mit dem sie Weibchen von ihren Qualitäten als Liebhaber überzeugen wollen. 

Star
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Star

Seit ein paar Jahren bauen Stare ganz gezielt Imitationen von Handyklingeltönen in ihre Balzgesänge ein. Die sind so gut, dass selbst Ornithologen nicht das Original von der Kopie unterscheiden können. Allerdings werden bisher nur einfache Klingeltöne nachgeahmt, komplexere Tonfolgen können von den Staren - noch nicht - imitiert werden. Deshalb müssen wir uns wohl noch etwas gedulden, bevor wir Lieder von Helene Fischer, Rihanna oder gar Beethovens 9. Symphonie, aus Vogelschnäbeln vorgetragen, im Stadtwald vernehmen werden. Dabei ist wichtig zu wissen: Bei den Imitationen zahlt sich Originalität aus: Je origineller ein Imitationsgesang ist, desto anziehender wirkt er offensichtlich auf die Weibchen.

 Gemeine Skorpionsfliege
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Gemeine Skorpionsfliege

Den Titel des Insekts des Jahres hat sich ein Tier gesichert, dass einen gefährlichen Namen trägt. Die Gemeine Skorpionsfliege ist allerdings weder gemein, noch hat sie etwa mit einem giftigen Skorpion gemein. Der Name dieser Fliegenart leitet sich vom großen, auffälligen Kopulationsorgan der Männchen ab, das an den Stachel eines Skorpions erinnert.

Je größer das Tröpfchen...

Die Skorpionsfliege gehört zu den wenigen Tierarten, bei denen die Männchen versuchen, in Sachen Sex bei den Weibchen mithilfe eines sogenannten "Hochzeitsgeschenks" zum Zuge zu kommen. Vor dem Sex bieten die Männchen den Weibchen nämlich ein eiweißhaltiges Sekrettröpfchen zum Verzehr an. Das Tröpfchen produzieren sie in ihren Speicheldrüsen. Und je größer dieses Tröpfchen ist und je häufiger ein Tröpfchen übergeben wird, desto größer ist die Chance des Männchens, bei seiner Auserwählten zu landen - und umso länger kann der Sex andauern. 

Dreistachelige Stichling
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Dreistachelige Stichling

Den Titel Fisch des Jahres konnte sich der Dreistachelige Stichling sichern und auch hier haben Forscher ein ungewöhnliches Sexualverhalten festgestellt. Schweizer Biologen haben nämlich in einer höchst interessanten Versuchsreihe herausgefunden, dass Stichlingsmännchen sich bei der Befruchtung besonders dann mächtig ins Zeug legen, wenn sie zuvor einen "Fischporno" gesehen haben, bei dem ein vermeintlicher Rivale ein Weibchen umgarnt. Die Porno schauenden Fische gaben deutlich mehr Sperma über frisch abgelaichten Eiern ab, als Fischkandidaten, die zuvor keinen Porno gesehen hatten.