Nicht durch den Verkauf von Games oder Konsolen erzielte die deutsche Gamesbranche im letzten Jahr ihren bisher höchsten Umsatz, sondern durch den Verkauf von In-Games-Optionen. Diese neuen Geschäftsmodelle verändern nicht nur den Markt, sondern auch die Spiele.

Mehr als 4,4 Milliarden Euro wurden 2018 in Deutschland in der Games-Branche umgesetzt, ein neuer Rekord. Aber: Es werden nicht mehr Computerspiele verkauft, sondern weniger. Und auch der Markt für Konsolen und Zubehör wurde kleiner. Das Geld verdient die Branche jetzt mit Online-Services und In-Game-Käufen. Die Zugewinne sind laut Felix Falk vom Branchenverband Game durch die Zunahme von In-Game-Käufen zu erklären.

"Die klassischen Spieleverkäufe gehen eher zurück, aber dafür nehmen stark die Spiele zu, wo ich zusätzliche In-Game-Käufe tätige."
Felix Falk, Branchenverband Game

Den Trend zu In-Game-Verkäufen gibt es schon seit ein paar Jahren. Und jetzt zeigt sich, dass unsere Games sich dadurch teils massiv verändern, sagt Deutschlandfunk-Nova-Redakteur Thomas Ruscher. Singleplayer-Spiele sterben langsam aus. Games müssen Spieler so lange wie möglich beschäftigen, auch auf Kosten der Qualität. Darüber diskutieren auf der Gamesweek 2019 auch die Entwickler in Panels und Workshops.

Was In-Game-Käufe genau sind

In-Game-Käufe sind Mikrotransaktionen bei denen die Gamer beispielsweise Zubehör oder Vorteile für das jeweilige Spiel kaufen. Zubehör wäre etwa ein besonders cooles Outfit für den Spielecharakter. Vorteil bedeutet, dass Spieler beispielsweise gegen eine Gebühr von ein bis zwei Euro sofort das nächste Level im Spiel erreichen, statt irgendeine Aufgabe wieder und wieder erledigen zu müssen. Meistens ist es bei diesen Geschäftsmodellen so, dass der Spieler Geld ausgeben kann, aber nicht zwingend muss, so Thomas Ruscher. Für die Spieler hat das den Vorteil, dass sie ein Spiel erst mal kostenlos bekommen.

Unfaire Bezahlmodelle mindern Spielspaß

Was im Prinzip fair klingt, ist in der Realität allerdings nicht immer ganz so fair umgesetzt. Denn es gibt auch Spiele, die zunächst kostenlos sind, dann aber immer wieder zur Kasse bitten. Der Indie-Game-Entwickler Nicolae Berbece sagt, dass solche Bezahlmodelle die Spiele verändern. Im Grunde mache ein Spiel weniger Spaß, wenn der Spieler nicht bereit sei, doch noch mehr Geld auszugeben. Und diese Free-to-Play-Mechaniken könnten die Spiele schlechter machen, so Nicolae Berbeces Befürchtung.

Streamingdienste: Ein weiterer Faktor für die Verschiebung in der Gamesbranche

Ein weiteres wichtiges Thema auf der Gamesweek und vermutlich das nächste große Ding sind die Streamingdienste: Google hat bereits vor kurzem seinen neuen Stramingdienst "Stadia für Games" vorgestellt. Und das, so schätzt Thomas Ruscher, wird die Spiele mit Sicherheit auch verändern. Gamer schließen bei solchen Diensten ein Abo ab und zahlen vielleicht um die 15 Euro pro Monat, damit sie spielen können, worauf sie Lust haben – Netflix für Spiele quasi. Für die Konsumenten ist das ziemlich cool.

Game-Streaming könnte kurzen Spielen schaden

Allerdings gibt es Spekulationen, dass die Hersteller dann nicht mehr für verkaufte Spiele bezahlt werden, sondern ihr Geld vom Streaminganbieter bekommen könnten, im Falle von Stadia also von Google. Und der Betrag wäre dann abhängig davon, wie viel und wie lange die Spieler gezockt haben.

Auf den ersten Blick scheint das eine gute Idee zu sein. Eric Zimmerman, Gamedesign-Professor an der University of New York, ist jedoch eher skeptisch. Seiner Meinung nach gebe es auch sehr gute, sehr kurze Spiele, die nur für zwei oder drei Stunden unterhielten. Und diese hätten nach Zimmermann kaum eine Chance, sich bei so einem Geschäftsmodell durchzusetzen.

"Some fabulous games are short. Also, our attention spans are shorter. So in terms of the ways we want to spend our time maybe it’s better to have a shorter game. So it’s very very tricky. It’s not fully resolved yet."
Eric Zimmerman, Gamedesign-Professor an der University of New York

Verschwinden werden diese kurzen Spiele nicht, glaubt Thomas Ruscher. Aber sie würden im schlimmsten Fall dann ein Nischendasein führen. Das ist gerade auch bei den Singleplayer-Spielen zu beobachten, also den Games, die die Spieler allein spielen. Denn die erfolgreichsten Spiele sind ja gerade Battle-Royale-Games, Multiplayer-Spiele. Also alles, was mit dutzenden und hunderten anderen Spielern gespielt werden kann. Genau damit werden die fetten Gewinne gemacht.

Kein Gegentrend in Sicht

Bei den großen Spielentwicklern ist laut Thomas Ruscher kein Gegentrend auszumachen. Und den können sich die Entwickler auch gar nicht leisten, da die Produktionen sehr teuer geworden sind. Auch ein Singleplayer-Blockbuster wie "Red Dead Redemption 2" hat noch einen Multiplayermodus eingebaut. Und auch da können sich die Spieler bald beispielsweise einen besonders coolen Hut für ihren Cowboy kaufen.

Spielehersteller denken also immer wieder über neue Techniken und Methoden nach, Geld zu verdienen. Das führt logischerweise zu Veränderungen der Spiele selbst. Diese Veränderungen führen aber nicht zwingend dazu, dass die Games besser werden.