Geht ihr motiviert zur Arbeit? Eine neue Studie sagt: Viele Beschäftigte in Deutschland tun das nicht. Sie hätten innerlich schon mit ihrem Job abgeschlossen und machen nur noch "Dienst nach Vorschrift". Für die Wirtschaft sei das schlecht – und teuer.

Stellt euch vor, ihr macht brav euren Job. Jeden Tag. Nine to Five. Aber ihr macht eben nur das Allernötigste. Überstunden oder Extra-Engagement neben dem Must-Do: Fehlanzeige. Im schlimmsten Fall habt ihr vielleicht sogar "innerlich gekündigt" – in den USA redet man da vom "quiet quitting".

Wenn es euch so geht, seid ihr damit nicht allein. Bei weitem nicht: "Nur jeder zehnte Beschäftigte ist emotional hoch gebunden," heißt es im aktuellen Engagement Index des Beratungsunternehmens Gallup. Und weiter: Die fehlende Motivation koste die deutsche Wirtschaft jedes Jahr über 100 Milliarden Euro an Produktivität, so die Studie.

"Bei 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ist die emotionale Bindung zum Arbeitgeber eher schwach ausgeprägt."
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova

Die tatsächliche innere Kündigung ist zwar nur der Extremfall, sagt Martin Krinner von Deutschlandfunk Nova. Die Zahlen sind trotzdem krass:

  • Nur jede*r Zehnte sagt von sich: Ich identifiziere mich voll mit dem Unternehmen, fühle mich emotional stark gebunden – und bin deshalb auch bereit, mal einen Schritt mehr zu gehen.
  • Bei 77 Prozent der Beschäftigten in Deutschland ist die emotionale Bindung zum Arbeitgeber schwach ausgeprägt, so die Gallup-Umfrage.
  • 13 Prozent haben gar keine emotionale Bindung mehr – die haben also innerlich gekündigt.

Fakt ist: Eine wesentliche Verschlechterung ist das nicht – die letzten Jahre sah es ähnlich aus. Im Vorjahr war der Wert sogar noch ein bisschen schlechter.

Optimisten sagen jetzt: Der Negativ-Trend ist möglicherweise vorbei. Pessimisten entgegnen: Stimmt vielleicht, aber der Wert stabilisiert sich auf schlechtem Niveau.

Studie: Wirtschaft verliert 120 bis 140 Milliarden Euro

Die deutsche Volkswirtschaft hat laut Gallup-Studie im vergangenen Jahr wegen des Mangels an Arbeitsmotivation 120 bis 140 Milliarden Euro verloren.

Das Geld ist das eine, unsere Psyche, also was ein unbefriedigender Job für uns – und auch für unseren Arbeitgeber – bedeutet, das andere.

"Viele Arbeitnehmer*innen sind in ihrem Alltag, in ihrem Job unglücklich, sind gestresst, sind überlastet. Und plötzlich haben dann die Leute, die bleiben, eine überhöhte Belastung."
Laura Klimecki, Psychologin aus München

Die Psychologin Laura Klimecki sagt, dass sich durch Stress, Überlastung und Unzufriedenheit ein Teufelskreis entwickeln kann. Denn wenn die einen sich zurückhalten, steigt die Belastung für andere – irgendwer muss den Job ja machen.

Heißt: Die emotionale Ferne eines/einer Mitarbeitenden kann dann schnell auch zum Problem für die Arbeitsatmosphäre im gesamten Unternehmen werden.

Studie sieht Verantwortung auch bei den Führungskräften

Der Rückschluss, viele Mitarbeitende seien halt einfach faul, greift natürlich zu kurz. Gallup sieht hier eindeutig auch eine Verantwortung bei den Führungskräften, sagt Martin Krinner.

Viele Beschäftigte fühlen sich laut der Studie nämlich nicht gesehen, nicht eingebunden, nicht gefördert. Die Folge: Sie erledigen ihre Aufgaben zwar – springen aber eben nur so hoch, wie sie unbedingt müssen.

"Viele Beschäftigte fühlen sich laut der Studie nicht gesehen, nicht eingebunden, nicht gefördert."
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova

Diese Problematik zeigt sich auch beim Krankenstand: Laut Gallup liegt dieser bei Personen mit geringer Bindung bei knapp zehn Tagen im Jahr – das ist fast doppelt so viel wie bei den stark engagierten Leuten.

Diese Entwicklung ließe sich stoppen

Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen, empfiehlt die Studie Führungskräften, ihre Mitarbeiter mehr anzuerkennen und besser zu fördern. Ins selbe Horn bläst auch Laura Klimecki: "Wird die zusätzliche Arbeit, die du zum Beispiel machst, in keinster Form gewertschätzt – und das immer wieder – natürlich hast du irgendwann mal keinen Bock mehr und sagst: Wisst ihr was, ihr könnt mir mal den Buckel runterrutschen."

Wenn sich zu viel Frust aufstaut, passiere genau das. Wenn Führungskräfte dagegen eine Unternehmenskultur der Wertschätzung einführten, könne das vermieden werden: "Hey, ich wertschätze, was du lieferst und ich kann dir helfen – also nicht nur im Sinne von: Das muss getan werden. Sondern wir machen gemeinsam hier was."

Shownotes
Dienst nach Vorschrift
Warum viele ihren Job innerlich kündigen
vom 17. März 2026
Moderation: 
Nik Potthoff
Reporter: 
Martin Krinner, Deutschlandfunk Nova