Andere Leute den eigenen Dreck wegmachen lassen - unser Reporter Dominik Peters kann sich das nur schwer vorstellen. Er hat ein ungutes Gefühl dabei. Wann ein Putzjob eine klassische Dienstleistung ist und wodurch er zum unangenehmen "Drecksjob" wird, hat Dominik sich und andere gefragt.

Die meisten von uns putzen eher ungern. Nur wenige empfinden es als meditativen Zeitvertreib oder haben richtig Spaß daran, Schmutz zu beseitigen und Ordnung zu schaffen. Dass Hausarbeit das Gehirn fit hält, spricht dafür, den Putzlappen selbst in die Hand zu nehmen. Dass Reinigungsmittel der Gesundheit schaden können, ist eine schlechte Ausrede nicht zu putzen, da es ja genug umweltfreundliche und unbedenkliche Putzmittel gibt. Viele Paare streiten darüber, wer, wann und wie putzen soll. Manche denken, dass Männer etwas Nachhilfe in Sachen Putzen benötigen. Entweder wir können uns mit unserem Partner einigen und klare Regeln fürs Putzen aufstellen oder wir lassen einfach eine Putzkraft für uns reinigen.

"Gerade für die Generation, die im Berufsstress steckt, die Familiengründung hat und so weiter, fährt damit deutlich besser, wenn sie sich eine Haushaltshilfe leistet. Sofern sie sich eine leisten kann, das ist immer die Voraussetzung, dass man die finanziellen Möglichkeiten dazu hat."
Dominik Enste, Institut der deutschen Wirtschaft

Auch unser Reporter Dominik Peters hat sich die Frage gestellt, ob er jemand zum Putzen engagieren soll. Beruflich ist er viel unterwegs und durch seine Kinder auch Zuhause gut ausgelastet: Er hat also wenig Zeit, aber viel zu tun. Allerdings ist er sich nicht sicher, ob er es mit seinem Gewissen vereinbaren kann, jemand anderen "seinen Dreck wegmachen zu lassen".

Kein normaler Putzjob - Erniedrigungen inklusive

Fanny Homberger geht es in mancher Hinsicht ähnlich wie Dominik: Sie ist Mutter und studiert - hat kaum Zeit und ist stark ausgelastet. Ein regelmäßiger Job passt in ihren Alltag nicht rein, sie lebt von Hartz IV. Anders als Dominik sucht sie keine Putzkraft, sondern nimmt immer mal selbst solche Aufträge an, um sich ihr überschaubares monatliches Einkommen etwas aufzubessern. Aber als klassische Dienstleistung hat sie den Job oft nicht empfunden, weil sie dabei immer wieder in unangenehme Situationen gekommen ist, wie sie unserem Reporter Dominik sagt.

Die Ansprüche und die Realität von Mini-Jobbern

Egal, ob sie blutige Tampons vom Boden aufheben musste oder ihre Arbeit herablassend kommentiert wurde oder sie bei Beziehungsstreit anwesend war - so hatte sie sich den Putzjob vorab nicht vorgestellt. Möglicherweise hat Fanny Pech mit ihren Arbeitgebern gehabt und viele, die als Reinigungskraft arbeiten, sind in dieser Hinsicht zufriedener mit ihrer Tätigkeit.

Ein grundsätzliches Problem besteht bei Putzkräften allerdings darin, dass sie nicht ausreichend bezahlt werden. Zwar haben Mini-Jobber wie Fanny gesetzlichen Anspruch auf Urlaubsgeld oder Lohnfortzahlung im Krankheitsfall. Die Realität sieht aber oft anders aus.

"Klar ist aber, dass wenn tatsächlich nur 11, 12, 13 oder sogar bis 20 Euro gezahlt werden, dass es dann als Stundenlohn eigentlich ziemlich wenig ist und ein bisschen zweifelhaft ist, ob tatsächlich genug bei den Reinigungskräften ankommt."
Anne Kliem hat Putzportale für die Stiftung Warentest getestet

Rund 90 Prozent der Putzkräfte in Deutschland bieten ihre Arbeit schwarz an, schätzt der Wirtschaftswissenschaftler Dominik Enste. Den Kunden ist das oft wohl ganz recht, weil der lästige Papierkram mit Honoraren und dem Nachweis beim Finanzamt wegfällt und wohl auch die Nachfrage vielerorts deutlich größer ist, als das Angebot an legalen Putzkräften.

Ein Grund dafür, dass Putzportale im Netz erfolgreich sind. Allerdings gibt es da verschiedene Modelle. Bookatiger.de arbeitet beispielsweise mit fest angestellten Kräften. Andere Portale sind einfach nur Vermittler für Selbständige oder Mini-Jobber, sagt Anne Kliem, die im vergangenen Jahr Putzportale für die Stiftung Warentest untersucht hat.

Wirtschaftswissenschaftler Dominik Enste kann unserem Reporter Dominik aber seine Bedenken nehmen. Grundsätzlich findet er es nicht verwerflich, eine Haushaltshilfe zu beschäftigen. Wichtig ist für ihn aber, dass Auftraggeber die Beschäftigten ausreichend bezahlen und absichern sollten.